Ihr eigener Bruder soll sie vergewaltigt haben

Argentinien: Zehnjährige im achten Monat schwanger

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12. November 2019 - 23:37 Uhr

Mutmaßlicher Täter lebt jetzt bei einer Tante

Eine zehnjährige Argentinierin kommt mit Bauch- und Rückenschmerzen in ein Krankenhaus. Vor Ort stellt sich heraus: Das Mädchen ist im achten Monat schwanger. Sie sagt aus, von ihrem eigenen Bruder vergewaltigt worden zu sein. Der 15-jährige Verdächtige wurde von den Behörden aus der Familie genommen und befindet sich laut argentinischen Medien jetzt bei einer Tante. 

Das Mädchen kam mit starken Bauch- und Rückenschmerzen in ein Krankenhaus

Die Mutter der beiden steht laut der argentinischen Zeitung "Clarin" unter Schock und will von alldem nichts gewusst haben. Sie hatte ihre Tochter mit starken Bauchschmerzen in ein Krankenhaus gebracht. Nach einigen Untersuchungen stellten die Ärzte dann die Schwangerschaft fest und schalteten die Polizei ein. Die Zehnjährige wurde auf einer speziellen Polizeistation nur für Frauen befragt.

Das Baby soll bereits im Dezember zur Welt kommen und vorerst bei seiner Großmutter leben. Mit nur zehn Jahren ist seine Mutter selbst noch ein Kind. Sie soll ausgesagt haben, dass sie nicht gewusst habe, was passiere und dass sie einmal von ihrem Bruder vergewaltigt worden sei.

Mädchen wohnte mit sechs Geschwistern und seiner Mutter zusammen

Das Mädchen soll zusammen mit seiner Mutter und sechs weiteren Geschwistern in der Großstadt Posadas leben und in die vierte Klasse gehen. Sozialarbeiter beschrieben die Wohnsituation der Familie als gut, es habe trotz der vielen Kinder kein Platzproblem gegeben. Der mutmaßliche Täter soll laut dem Bericht bereits in der ersten Klasse wieder von der Schule genommen worden sein, weil er nicht näher beschriebene Anfälle gehabt habe.

Familie bekommt psychologische Hilfe

Die Direktorin des zuständigen Jugendamtes, Ana Maria Pereira, sagte der Zeitung, dass man das Baby der Zehnjährigen in die Obhut seiner Großmutter geben wolle. "Ich bin seit vielen Jahren Sozialarbeiterin und wir sind wirklich betroffen, weil sie so klein ist. Sie ist die Kleinste, mit der wir je zu tun hatten", sagte sie. Die Familie werde nun psychologisch unterstützt.

Ob die Familie eine Abtreibung in Betracht gezogen hatte, ist nicht bekannt. Abtreibungen sind in Argentinien nur bei Vergewaltigung oder Gesundheitsgefährdung der Mutter erlaubt.

Argentinien: Schwieriges Verhältnis zu Sexualkunde und Abtreibungen

Der Fall einer schwangeren Elfjährigen aus Argentinien hatte bereits Anfang 2019 für Aufsehen gesorgt. Obwohl ihre Eltern einer Abtreibung zugestimmt hatten und Abtreibungen nach Vergewaltigungen in Argentinien legal sind, musste das Mädchen das Kind austragen und durfte nicht abtreiben. Tausende Frauen waren daraufhin auf die Straßen gegangen, um für ein liberaleres Abtreibungsgesetz und bessere sexuelle Aufklärung zu protestieren. 

Sexualkunde ist an argentinischen Schulen gesetzliche Pflicht, laut der Menschenrechts-Organisation "Amnesty International" wird sie trotzdem nicht an jeder Schule gelehrt – oft auch aus religiösen Gründen. Gerade die nördlichen Provinzen Argentiniens sind noch stark katholisch geprägt, Sex gilt als Tabuthema.