Kann die Aussage zur Aufklärung eines Mordes führen?

Papagei soll Zeuge in Mordprozess sein

Ein grüner Papagei wie dieser wurde Zeuge des Mordes.

26. Mai 2020 - 14:20 Uhr

46-Jährige in San Fernando (Argentinien) getötet

Am 30. Dezember 2018 wurde die 46-jährige Elizabeth Toledo in der argentinischen Stadt San Fernando erst vergewaltigt und anschließend getötet. Zunächst fehlte von den Tätern jede Spur. Doch jetzt soll im Prozess der wohl wichtigste Zeuge vernommen werden: der Papagei des Opfers. Einem Bericht des britischen "Mirrors" zufolge ist die Polizei der Auffassung, dass dieser die letzten Worte seiner Besitzerin hörte, als sie von zwei Mitbewohnern geschlagen und vergewaltigt wurde. Genau diese Worte sollen sich in den Kopf des Papageien eingebrannt haben. Immer wieder wiederholte er die letzten Worte seines Frauchens.

Polizist und Nachbar sollen den ungewöhnlichen Zeugen entdeckt haben

Auf den ungewöhnlichen Zeugen soll ein Polizist aufmerksam geworden sein: Als dieser den Tatort bewachte, soll er gehört haben, wie der grüne Papageien flehend sagte: "Ay, no, por favor, soltame!", was im Deutschen so viel bedeutet wie "Nein, bitte, lass mich gehen!". Lokalen Medien zufolge war der Papagei zuvor bereits von einem Nachbarn und einer Lebensmittelhändlerin erwähnt worden. Beide sollen gehört haben, wie der Vogel sagte: "Warum hast du mich geschlagen?", als einer der verhafteten Verdächtigen aus dem Haus floh. Nun könnten die Kommentare des gefiederten Zeugen in dem anstehenden Vergewaltigungs- und Mordprozess verwendet werden.

Entlarvt der Papagei des Opfers dessen Mitbewohner als Täter?

Neben der Aussage des Papageien soll eine Autopsie bereits ergeben haben, dass die 46-Jährige geschlagen, vergewaltigt und zu Tode gewürgt wurde. Ihr lebloser Körper soll von einem ihrer Mitbewohner nackt auf einer auf dem Boden liegenden Matratze in ihrem Zimmer gefunden worden sein. Er soll daraufhin den Notruf gewählt haben.

Nach weiteren Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um die beiden Mitbewohner des Opfers handelt. Einer der beiden Männer ist derjenige, der die Polizei verständigt hatte. Elizabeth Toledo soll mit drei Männern im selben Haus gewohnt haben. Ein Bissabdruck an einem ihrer Arme soll neben den Aussagen des Papageis zu dieser Erkenntnis geführt haben.

Ihre Mitbewohner Saturnino Rolon und Jorge Raul Alvarez wurden im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen. Der dritte Mitbewohner wurde ebenfalls verhaftet, soll aber für den Zeitpunkt des mutmaßlichen Mordes ein Alibi haben.

Ornithologe: "Es ist auch eine wahre Extremsituation für den Papageien"

Dass ein Papagei in einem Mordprozess als Zeuge herangezogen werden soll, ist dem Kölner Ornithologen Achim Kemper zwar neu, aber er hält es durchaus für möglich, erklärte er gegenüber RTL: "Papageien sind sehr gelehrige Vögel. Ob sie tatsächlich kommunizieren können, sei dahingestellt, aber Laute können sie nachmachen." Das liege vor allem an der sozialen Disposition von Papageien: In der Natur hielten sich die Vögel zumeist in Gruppen auf und kommunizieren untereinander. Werde ein Vogel ausschließlich unter Menschen gehalten, schließe dieser sich in der Regel dem Vogelhalter an und baue eine enge Beziehung zu diesem auf. Besonders durch Belohnung und Krauleinheiten könnten Papageien ganze Sätze phonetisch erlernen, sagt der Experte.

Zudem stelle der Mord seines Frauchens für den Papageien eine wahre Extremsituation dar, so Kemper: "Ich halte das wirklich für möglich, dass der Vogel die entsprechenden Sätze sogar ganz frisch gelernt hat und diese sonst nicht im Repertoire hat." Das begründet der Ornithologe mit der Beziehung des Opfers und dem Papageien. So sei es im argentinischen Fall denkbar, dass der Papagei die letzten Worte seiner Halterin tatsächlich verinnerlicht hat, auch wenn er diese Sätze vielleicht noch nie zuvor gehört hatte.

Dass der Vogel die letzten Sätze von Elizabeth Toledo seitdem stets wiederholt, ist laut Achim Kemper nicht verwunderlich: "Das Ereignis beschäftigt den Vogel. Es ist ein traumatisches Erlebnis für ihn, was nun raus aus dem Körper muss, sonst wird er krank. Papageien sind sehr sensible Tiere." Insofern könnten die Aussagen nicht nur hilfreich im Mordprozess sein, sondern sogar eine Art innerliche Befreiung von diesem tragischen Erlebnis für das Tier sein.