Thema wurde heftig diskutiert - auch der Papst schaltete sich ein

Abtreibungen sind in Argentinien nun erlaubt

Demonstranten bejubeln in Buenos Aires die Reform des Abtreibungsgesetzes.
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30. Dezember 2020 - 11:27 Uhr

Papst spricht sich gegen die Legalisierung von Abtreibungen aus

Argentinien hat ein historisches Gesetz zur Legalisierung von Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche verabschiedet. Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche sind in Argentinien nun erlaubt. Argentiniens Senat hat am Mittwoch mit 38 zu 29 Stimmen (bei einer Enthaltung) das Gesetz zur Legalisierung verabschiedet. Schwangerschaftsabbrüche waren in Argentinien seit Anfang der Zwanzigerjahre verboten und wurden mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft.

Vor der Abstimmung im argentinischen Senat hatte sich Papst Franziskus gegen die Legalisierung der Abtreibung in Argentinien ausgesprochen. "Der Sohn Gottes wurde als Ausgeschlossener geboren, um uns zu sagen, dass jeder ausgeschlossene Mensch ein Kind Gottes ist", schrieb der Argentinier auf Twitter. "Er kam in die Welt, wie ein Kind in die Welt kommt, schwach und zerbrechlich, so dass wir unsere Schwächen mit Zärtlichkeit aufnehmen können."

Beobachter werteten dies als einen der letzten Versuche der katholischen Kirche, Einfluss auf die Entscheidung über die Gesetzesinitiative zu nehmen.

Abtreibungen bisher nur in besonderen Fällen erlaubt

Argentiniens Abgeordnetenkammer hatte die Legalisierung von Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche bereits gebilligt. Bislang war der Abbruch von Schwangerschaften in dem südamerikanischen Land nur in besonderen Fällen erlaubt, etwa nach einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter. Schätzungen zufolge gibt es dort pro Jahr zwischen 370.000 und 520.000 heimliche Abtreibungen. Dabei kommt es immer wieder zu Komplikationen und auch zu Todesfällen.

Das Thema wurde in Argentinien heiß diskutiert, Befürworter und Gegner finden sich quer durch die politischen Lager. 2018 scheiterte ein Gesetz für ein liberales Abtreibungsrecht im Parlament knapp. Mitverantwortlich war damals die katholische Kirche gewesen. In der Heimat des Papstes spielt sie bis heute auch als politischer Faktor eine wichtige Rolle. Im Gegensatz dazu befürwortet Präsident Alberto Fernández die Legalisierung der Abtreibung.