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Archäologie und Evolutionsforschung im Dialog

Steven Pinker
Steven Pinker, Psychologe und Kognitionswissenschaftler an der Harvard Universität. Foto: Matthias Balk/Archiv © deutsche presse agentur

Der moderne Mensch ist nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern des Forschungsmuseums RGZM von Verhaltensweisen geprägt, die sich über die vergangenen 2,5 Millionen Jahre entwickelt haben. "Das ist Teil unserer Natur, und die leben wir heute noch aus", sagte Lutz Kindler von der Außenstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) auf Schloss Monrepos bei Neuwied anlässlich der Verleihung des Archäologiepreises Human Roots Award am Freitag an den Sachbuchautor und Harvard-Professor Steven Pinker.

"Wenn wir Zukunft verantwortungsvoll gestalten wollen, reicht es nicht, sich nur mit der Gegenwart auseinanderzusetzen", sagte Kindler. Letztlich sei es dann die Archäologie, die über die nötigen Quellen verfüge, um Aussagen zur frühen Entwicklungsgeschichte des Menschen machen zu können.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen. Erster Preisträger war 2017 der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins. Der Psycholinguist und Psychologe Pinker wird von der Forschungsstelle Monrepos als einer der einflussreichsten Vertreter der evolutionären Psychologie geehrt. Mit seinen Büchern über Wahrnehmung und Denken im Gehirn, den Sprachinstinkt, die menschliche Natur und die Rolle der Gewalt in der Menschheitsgeschichte erreicht Pinker auch eine größere Öffentlichkeit. Schloss Monrepos ist eine eigene Forschungsstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in Mainz.

"Wir sind als Archäologen die Hüter der Quellen, die tatsächlich etwas über die Verhaltensevolution aussagen können", sagte Olaf Jöris, der den Preis zusammen mit Kindler mitinitiiert hat. "Der Archäologie geht es genauso um den Menschen heute wie anderen Wissenschaften auch."

Erworbene Verhaltensweisen haben sich nach den Worten der beiden Forscher einst ausgeprägt, weil sie sich für den Menschen als nützlich erwiesen - etwa zum Schutz vor Fressfeinden oder zur Förderung des sozialen Verbands. Sie gehen auch dann nicht verloren, wenn sich die Rahmenbedingungen so sehr verändert haben, dass der ursprüngliche Sinn nicht mehr gegeben ist. Sie würden dann nur für den neuen Kontext "moduliert", erklärt Jöris und nennt als Beispiel das Bedürfnis nach sozialer Interaktion, das heute zu einem großen Teil über Software für die Kommunikation mit Smartphones bedient werde.

Nach der Preisverleihung ist am Samstag eine international besetzte "Breakfast Debate" mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen angesetzt. Thema ist die Frage nach den Auslösern von Gewalt und Krieg. Im Austausch mit Psychologen und Evolutionsforschern wollen Archäologen ihre Perspektive über sehr lange Zeitspannen hinweg einbringen. "Evolution hört nicht auf, nur weil wir heute im 21. Jahrhundert sind", sagt Kindler. "Die Frage ist nur, in welche Richtung sie geht."


Quelle: DPA

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