Aufstand in Brandenburg

Arbeitsplätze vs. Kieferbäume: Riesen Streit um die geplante Tesla-Fabrik

Das Projekt könnte scheitern

Schwere Maschinen sind am Freitag vergangener Woche auf dem insgesamt 300 Hektar großen Gelände der geplanten Autofabrik von Tesla angerückt. Schlag auf Schlag krachten 20 bis 30 Meter hohe Kiefern auf den Boden. Der US-Elektroautomobilbauer hatte mit der Erschließung seines künftigen Werksgeländes in Grünheide bei Berlin begonnen. Doch das Oberverwaltungsgericht hat auf Klage einer Umweltorganisation die Rodung des Waldes vorerst gestoppt.

"Wir verlieren Wald ohne Ende"

17.02.2020, Brandenburg, Grünheide: Gefällte Kiefernstämme werden auf dem künftigen Gelände der Tesla Gigafactory aufgeladen. Auf diesem Gelände, östlich Autobahn A10 Berliner Ring in der Gemeinde Grünheide, plant Tesla den Bau einer Gigafactory. Dor
Baustelle Tesla-Werk
ppl cul, dpa, Patrick Pleul

Die Umweltorganisation "Grüne Liga" ist für den Stopp verantwortlich. Auf ihrer Webseite machen sie deutlich, warum das aus ihrer Sicht notwendig ist: "Tesla steht nicht über dem Gesetz", heißt es dort. Selbst von Rechtsbruch ist die Rede. Die Rodungen hatten nämlich begonnen, obwohl es für den Bau des Tesla-Werks noch keine Genehmigung gab. Allerdings hatte das Umweltamt in Brandenburg die Rodungen auch erlaubt, wenn Tesla das Risiko auf sich nimmt.

Noch bis Anfang März können Bürger ihre Einwände einreichen. Einige haben das schon bei Protesten in Grünheide gemacht. "Wir verlieren Wald ohne Ende und das im Zeichen des Klimawandels, das kann nicht sein", sagt ein Demonstrant, "es ist ja nicht nur der Wald, der gefällt wird, sondern das Tal wird verschwinden mit einer Artenvielfalt, die einmalig ist."

Teslas Pläne werden zum Politikum

ARCHIV - 29.01.2020, Berlin: Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister stellt den Jahreswirtschaftsbericht 2020 und das Kohleausstiegsgesetzes vor. (zu dpa «Minister Altmaier: Auch Tesla kann staatliche Förderung bekommen») Foto: Britta Pederse
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die geplanten Investitionen von Tesla in Brandenburg trotz der jüngsten Verzögerungen nicht als gefährdet an.
ped fdt, dpa, Britta Pedersen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die geplanten Investitionen von Tesla in Brandenburg trotz der jüngsten Verzögerungen nicht als gefährdet an. "Ich bin mir jedenfalls mit dem Wirtschaftsministerkollegen von Brandenburg einig, dass wir ein hohes Interesse daran haben, diese Probleme im Einvernehmen mit Tesla zu lösen", so der CDU-Politiker. Es sei wichtig, dass dort Arbeitsplätze entstehen. "Das ist als Signal für die Zukunftsfähigkeit dieser Branche von ganz enormer Bedeutung", so Altmaier.

Die Landesregierung in Brandenburg gibt sich unterdessen auf Anfrage von RTL gelassen und rechnet mit einer schnellen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts. Sollte die Rodung nicht erlaubt werden, muss Tesla den Wald wieder aufforsten.

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Bürgermeister: Der Kieferwald ist angebaut worden, um geerntet zu werden

ARCHIV - 17.02.2020, Brandenburg, Grünheide: Kiefernstämme liegen an einer Baustraße auf dem künftigen Gelände der Tesla Gigafactory. Auf diesem Gelände, östlich Autobahn A10 Berliner Ring in der Gemeinde Grünheide, plant Tesla den Bau einer Gigafact
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Brandenburg sieht derzeit keinen Grund, die vorzeitigen Rodungen auf dem Tesla-Gelände zu stoppen
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Dass nicht nur die Branche, sondern gleich der ganze Wirtschaftsstandort Schaden nehmen könnte, fürchten auch Wirtschaftsexperten. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - dies scheint für wichtige Großprojekte in Deutschland immer seltener zu gelten", sagt Ökonom Marcel Fratzscher. Wie viel für die Region auf dem Spiel steht, versucht auch der Bürgermeister von Grünheide zu erklären und rechtfertigt die Rodungen. "Der Fachausdruck, so komisch wie das klingt, ist erntereifer, minderwertiger Kiefernwald", so Arne Christiani, "und er ist mal angebaut worden, um geerntet zu werden. Und das ist jetzt der Fall."

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Brandenburg sieht derzeit keinen Grund, die vorzeitigen Rodungen auf dem Tesla-Gelände zu stoppen, wie Landesgeschäftsführer Axel Kruschat sagte. Unterlagen zur Zulassung für die Rodung würden aber noch geprüft.

Tesla: Umweltschutz habe oberste Priorität

17.02.2020, Brandenburg, Grünheide: Ein Elektrofahrzeug der Marke Tesla steht auf einer Baustraße neben Kiefernstämmen auf dem künftigen Gelände der Tesla Gigafactory. Auf diesem Gelände, östlich Autobahn A10 Berliner Ring in der Gemeinde Grünheide,
​Ab Juli 2021 will Tesla jährlich bis zu 500.000 Elektro-Autos in Grünheide produzieren.
ppl cul, dpa, Patrick Pleul

Zur Kritik von Umweltschützern an dem Projekt betonte eine Tesla-Sprecherin am Freitag, der Umweltschutz habe für Tesla oberste Priorität. Es werde nichts unternommen, das in irgendeiner Form der Umwelt schade. Tesla werde das Abholzen der Bäume anderswo ausgleichen - und zwar dreifach, sagte sie.

​Ab Juli 2021 will Tesla jährlich bis zu 500.000 Elektro-Autos in Grünheide produzieren. Die Pläne des Elektro-Autobauers für die erste europäische Fabrik hatten nach erster Begeisterung in Deutschland für Bedenken bei Umweltschützern gesorgt. Denn das Grundstück im Landkreis Oder-Spree war zwar vor rund zwei Jahrzehnten schon für den Bau eines BMW-Werks vorgesehen. Seitdem breiteten sich aber Pflanzen und Tiere ungehindert in dem Lebensraum aus - und Umweltschützer forderten eine behutsame Prüfung der Lage statt einer schnellen Abholzung.