Arbeitslosenzahl steigt, Ausbildungsplatzsuche schwieriger

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

03. Juni 2020 - 14:31 Uhr

Die Zahl der Arbeitslosen ist in Berlin im Mai wieder deutlich gestiegen. 200.641 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. Das waren 18.023 mehr als im April und 47.210 mehr als im Mai 2019. Die Arbeitslosenquote stieg verglichen mit April um 0,7 Punkte auf 10,0 Prozent. Sie liegt damit 2,2 Punkte über dem Vorjahreswert und ist erstmals seit vier Jahren wieder zweistellig.

Ohne die Kurzarbeit lägen die Zahlen deutlich höher. Seit März haben nach Agenturangaben 37.154 Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 388.288 Beschäftigte angezeigt. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien schmerzlich spürbar, sagte der Berlin-Brandenburger Agenturleiter Bernd Becking. "Es ist für die Unternehmen, die Mitarbeitenden sowie viele Selbstständige eine sehr belastende Zeit."

Auch die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist nach Einschätzung der Arbeitsagentur zurzeit schwieriger als in vergangenen Jahren. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze in Berlin sei geringer als 2019. "Dennoch sind im Mai in den Standorten der Jugendberufsagentur rund 7400 unbesetzte Ausbildungsstellen gemeldet", sagte Becking. "An die Jugendlichen appelliere ich, sich jetzt nicht entmutigen zu lassen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich zu kümmern."

Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK), an der sich rund 900 Berliner Unternehmen beteiligt haben, bestätigt diese Entwicklung: Danach wollen die meisten Ausbildungsbetriebe zwar weiter ausbilden, aber oftmals weniger als vor der Corona-Krise geplant. Rund ein Fünftel der befragten Betriebe kann danach aufgrund der unsicheren Geschäftsaussichten noch nicht abschätzen, ob in diesem Jahr überhaupt neue Azubis eingestellt werden.

"Die Situation der Berliner Wirtschaft ist dramatisch", sagte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm am Mittwoch. Wie stark die Auswirkungen der Corona-Krise mit Blick auf die Ausbildungsmöglichkeiten sind, hängt allerdings stark von der jeweiligen Branche ab. So gaben 97 Prozent der befragten Industriebetriebe an, am geplanten Ausbildungsangebot festhalten zu wollen, bei Banken und Versicherungen sind es 94 Prozent, im Bereich Baugewerbe/Immobilien 92, im Einzelhandel 86 Prozent, bei Unternehmen aus dem Bereich Freizeit, Tourismus und Gastgewerbe dagegen nur 42 Prozent.

Betriebe, die nicht wüssten, ob und wie sie diese Krise überleben, könnten auch nicht ausbilden, so Kramm. Andere Unternehmen wollten das zwar weiter, benötigten aber Unterstützung. "Natürlich geht es auch um Geld", sagte die IHK-Präsidentin. Sie forderte, das Kurzarbeitergeld für Azubis müsse schon ab Tag eins gezahlt werden, nicht erst nach sechs Wochen wie bisher. Wichtig seien außerdem Auffangmöglichkeiten für Azubis in anderen Betrieben, ein flexibler Ausbildungsstart und die schnelle Rückkehr zum vollen Umfang des Unterrichts in den Berufsschulen.

Schwierig ist derzeit nach Ansicht der Kammer, künftige Azubis überhaupt zu erreichen. Ausbildungsbörsen seien wegen der Corona-Krise abgesagt worden, Berufsberatung und Vermittlung müsse ohne persönlichen Austausch auskommen.

Quelle: DPA