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Arbeitslos in die Sommerferien - für Tausende Lehrer immer noch Realität

Ferien? Für viele Lehrer bedeutet das Arbeitslosigkeit
Ferien? Für viele Lehrer bedeutet das Arbeitslosigkeit Wenn der Vertrag zum Ende des Schuljahres ausläuft 01:36

Vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis betroffen

Ferienbeginn bedeutet für Millionen Schüler endlich entspannen und nicht pauken, für Tausende Lehrer jedoch die Arbeitslosigkeit. Obwohl ein akuter Mangel an Lehrkräften besteht und es bundesweit zu massiven Unterrichtsausfällen kommt, halten manche Bundesländer an der Praxis fest, Lehrer mit befristeten Verträgen in den Sommerferien zu entlassen.

Länder sparen Millionen

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Kultusministerien der Länder ergab, dass vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis betroffen sind. Die Länder sparen dadurch Millionen ein.

So sind es in Baden-Württemberg beispielsweise 3.300 Lehrer, die zum Start der Ferien vor die Tür gesetzt werden. Dadurch spart das Bundesland nach Angaben eines Sprechers 12,5 Millionen Euro.

2017 hatten sich laut der Bundesagentur für Arbeit in den Sommerferien bundesweit rund 4.900 Lehrkräfte arbeitslos gemeldet. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Lehrer dürfte aber höher liegen. Nicht alle melden sich arbeitslos. Nach den Sommerferien geht die Arbeitslosenzahl dann wieder zurück.

"Skandalös": Scharfe Kritik aus Lehrer-Gewerkschaft

18.06.2018, Berlin: Marlis Tepe, GEW-Vorsitzende, spricht bei einer Pressekonferenz in der  Carlo-Schmid-Oberschule. Die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) möchte auf den schlechten Bauzustand vieler Schulen aufmerksam machen. Foto: Britta
Kritisiert den Umgang mit vielen Lehrern in den Sommerferien: GEW-Chefin Marlis Tepe. © dpa, Britta Pedersen, ped wst

Für die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, ist das ein Unding. "Das Schlimme ist, dass es dann wirklich für die Kollegen und Kolleginnen im Einzelfall eine totale Unsicherheit ist", sagt sie. Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, findet es "skandalös, dass sich trotz Lehrermangel und massivem Unterrichtsausfall viele Bundesländer weigern, befristete Verträge in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln", wie er der "Bild"-Zeitung sagte. Junge motivierte Lehrkräfte würden als beliebig verschiebbare Manövriermasse missbraucht.

Ein Sprecher des Kultusministeriums in Baden-Württemberg betonte, dass die befristete Beschäftigung im Südwesten mit drei Prozent aller Lehrer die große Ausnahme sei. Es handele sich um Vertretungslehrer, die bei längeren Krankheiten oder Ausfällen durch Mutterschutz und Elternzeit einsprängen. Die meisten Kultusministerien äußerten sich ähnlich. 

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