2018 M12 18 - 20:40 Uhr

Als die Angeklagten den Gerichtssaal betraten, gab es Applaus

Videoaufnahmen vom 7. Juli 2017 zeigen das Ausmaß der Randale: 220 schwarzvermummte G20-Gegner zogen über die Elbchaussee in Hamburg. Sie schlugen Fensterscheiben ein, zündeten Autos an. Nun stehen fünf Männer vor Gericht, die zu der Gruppe gehört haben sollen. Als die Angeklagten den Gerichtssaal betraten, gab es Jubel und Beifall, berichtete RTL-Reporterin Jana Schubert. Die Familien der Männer seien extra zur Unterstützung angereist.

Vermummte Randalierer zogen über die Elbchaussee

Prozess nach G20-Krawallen in Hamburg
Nach den G20-Ausschreitungen in Hamburg stehen nun fünf Männer vor Gericht.
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo fdt

Angeklagt sind zwei 18-Jährige, ein 22- und ein 24-Jähriger aus Hessen sowie ein 23 Jahre alter Franzose. Ihnen wird Landfriedensbruch in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Außerdem meint die Staatsanwaltschaft, dass die Männer sich als Mittäter der gefährlichen Körperverletzung, der Brandstiftung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gemacht haben. Ob sie selbst auch randaliert haben oder nur mit der Gruppe mitgingen, ist unklar.

Die Täter hatten "das alleinige Ziel, aus dem Schutz der Gruppe Straftaten zu begehen", sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt. Sie hatten vor, "durch das martialische Auftreten Menschen in ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit zu beeinträchtigen".

Der Sachschaden, der bei dem linksextremen Aufmarsch entstand, beläuft sich auf rund eine Million Euro. Acht Menschen wurden verletzt oder erlitten einen Schock, als der schwarze Mob über die Elbchaussee zog. Ein Busfahrer wurde so schwer traumatisiert, dass er sich laut Anklage über mehrere Monate stationär behandeln lassen musste.

"Kommandoaktion in fast paramilitärischer Vorgehensweise"

Abgebranntes Auto in Hamburg
Gewaltbereite Randalierer zündeten am Rande des G20-Gipfels in Hamburg Autos auf der Elbchaussee an.
© dpa, Axel Heimken, ahe htf

Innensenator Andy Grote (SPD) beschrieb die Taten als "Kommandoaktion in fast paramilitärischer Vorgehensweise". Die Polizei griff nicht ein. Die Einsatzkräfte waren an anderen Orten in der Stadt im Einsatz, um den G20-Gipfel zu sichern.

Zwei der Angeklagten waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig, darum findet der Prozess vor einer Jugendkammer statt. Die Verteidiger argumentierten, die Polizei hätte einschreiten müssen, um ihren friedlichen Mandanten und anderen Teilnehmern des Aufzugs das Demonstrationsrecht zu sichern. Die Jugendlichen hätten nicht einschätzen können, dass die Lage eskalieren würde und sie damit eine Straftat begehen. Auch nach der Verhandlung gab es Applaus und Jubel für die Angeklagten im Gerichtssaal.