App-Spionage: 'Papa Schlumpf' lauscht mit

Das Geschäft mit den Apps
Datensammelwut: Nun sind auch populäre Apps von der NSA Spionage betroffen.
picture alliance / dpa, Rolf Vennenbernd

Die Sammelwut geht weiter

Es gibt kaum noch einen Bereich des digitalen Lebens, der nicht von der Datensammelwut des US-Geheimdienstes NSA erfasst wurde. Neuen Enthüllungen zufolge sind auch populäre Apps betroffen - von denen viele mehr Informationen sammeln als dem Nutzer bewusst ist.

Vor allem kostenlose Apps erheben nebenher viele Daten über die Nutzer. Als klassisches Beispiel gilt eine Anwendung, die den Smartphone-Blitz als Taschenlampe leuchten ließ. Diese hat nebenbei Informationen wie den aktuellen Ort und die Identifikationsnummer des Geräts abgegriffen. Die Daten wurden dann an Werbe-Netzwerke weitergegeben.

In einem geheimen britischen Dokument aus dem Jahr 2012 sei die Rede davon, dass man auf Apps zugreifen könne, die nicht nur allgemeine Informationen, sondern auch Details wie die politische oder sexuelle Orientierung von Nutzern enthielten. Für die Geheimdienste sind diese Daten Gold wert. Sie könnten Fragen beantworten wie etwa: "Wo war meine Zielperson, als sie dieses oder jenes gemacht hat?" und "Wohin ist meine Zielperson unterwegs?"

Darüber hinaus haben Spione dem internen Papier zufolge auch die Fähigkeit, gezielt Mikrofone von Smartphones einzuschalten oder auf Geo-Daten zuzugreifen. Diesen Funktionen gaben die Agenten demnach Namen von Schlümpfen. So heiße das Plug-In für Ortungsdaten 'Tracker Smurf' (also: Verfolger-Schlumpf).

Interview mit IT-Sicherheitsexperte Martin Holland

Wir haben mit Martin Holland, einem IT-Sicherheitsexperten des 'c't' Magazins, über die neuesten Enthüllungen rund um die App-Spionage gesprochen. Er sagt, ein allumfassender Schutz sei unmöglich.

RTLaktuell.de: "Herr Holland, was kann eine App alles über mich und meine Gewohnheiten aussagen?"

Holland: "Das ist ganz abhängig von der App und kann meinen Standort und meine Kontaktliste umfassen und weitergehen zum Arbeitsplatz (wo verbringe ich den Tag), sozialem Umfeld (wem schreibe ich wie häufig und zu welcher Uhrzeit) bis hin zu Bildern."

RTLaktuell.de: "Welche Daten können dadurch abgegriffen werden?"

Holland: "Alle, die von den Apps gesammelt werden. Aus bestimmten Apps (Partnersuche) kann etwa auch auf die sexuelle Orientierung geschlossen werden."

RTLaktuell.de: "Was wollen die Geheimdienste eigentlich mit meinen Daten anfangen?"

Holland: "Die Geheimdienste wollen ein möglichst komplettes Bild des Einzelnen haben, und deswegen gibt es nichts, was sie nicht interessiert."

RTLaktuell.de: "Gibt es eine Funktion auf meinem Smartphone, mit der ich bestimmte Informationen unterdrücken kann, so dass ich dadurch verhindere, dass bestimmte Daten über mich abgegriffen werden?"

Holland: "Auf Apple-Geräten kann man bestimmte Sammlungen unterbinden, aber auch nicht alle. Auf Android-Geräten kann man nur entweder alles erlauben oder die App ganz deinstallieren."

RTLaktuell.de: "Wie kann ich mich gegen solche Ausspäh-Aktionen schützen?"

Holland: "Gegen die jüngst bekannt gewordenen Programme kann man sich nur schützen, wenn man seine Apps kontrolliert und zu neugierige deinstalliert. Außerdem sollte man immer bedenken, dass kostenlose Apps irgendwie anders an Geld kommen müssen und das meist über Nutzerdaten."

RTLaktuell.de: "Kann ich überhaupt erkennen, dass ich ausgespäht werde?"

Holland: "Nein, dafür gibt es keine Möglichkeit."

RTLaktuell.de: "Reicht es, wenn ich ein Virenprogramm auf meinem Smartphone installiere?"

Holland: "Nein, auch das verhindert nicht, dass die Apps mit "zuhause telefonieren" und dabei den Geheimdiensten alles gleich mitliefern."

RTLaktuell.de: "Wie sicher sind Apps generell?"

Holland: "Man sollte sich immer bewusst sein, dass die Anbieter kostenloser Apps auch irgendwie Geld verdienen wollen. Das geschieht meist über Werbung und die funktioniert am besten, wenn sie möglichst viel über den Nutzer wissen. Deswegen sind die zumeist neugieriger. Aber natürlich heißt bezahlt nicht gleich sicher, die Chance ist nur größer, dass sie lediglich wissen wollen, was sie zum Funktionieren benötigen."