Apotheker soll in 40.000 Fällen Krebs-Medikamente gestreckt haben

Niedrige Dosierung für höheren Gewinn: Ein Apotheker aus Bottrop soll Krebsmedikamente gestreckt haben.
Niedrige Dosierung für höheren Gewinn: Ein Apotheker aus Bottrop soll Krebsmedikamente gestreckt haben.
© dpa, Rolf Vennenbernd

05. Dezember 2016 - 11:28 Uhr

Betrug bei individuellen Dosierungen für Krebspatienten

Ein Apotheker aus Bottrop steht im Verdacht, bei der Dosierung von Krebs-Medikamenten massenhaft betrogen zu haben. Er soll absichtlich weniger Wirkstoff in Infusionen gemischt haben als vom Arzt verordnet.

Krankenkassen um 2,5 Millionen Euro betrogen

Trotz der niedrigeren Dosierungen soll er den kompletten Betrag mit den Krankenkassen abgerechnet haben. Wie die 'Süddeutsche Zeitung' online berichtet, soll er die Kassen so um 2,5 Millionen Euro betrogen haben.

Die manipulierten Infusionen hätten Medikamente zur Krebsimmuntherapie enthalten und müssten individuell an die Patienten angepasst werden, sagte der Vorsitzende des Bottroper Apothekerverbandes Florian Mies der 'Westdeutschen Allgemeinen Zeitung' (WAZ).

In mehr als 40.000 Fällen sollen Infusionen falsch dosiert gewesen sein. Wie vielen Patienten diese verabreicht wurden, kann man laut Staatsanwaltschaft nicht feststellen. Auch die Folgen der falschen Medikamenten-Dosierung seien nicht mehr nachvollziehbar.

Apotheker schweigt zu den Vorwürfen

Dass man die betroffenen Patienten nicht ermitteln könne, kann die Deutsche Stiftung Patientenschutz nicht glauben. Ihr Vorstand Eugen Brysch argumentiert: "Die Daten der Patienten sind den belieferten Krankenhäusern und Arztpraxen bekannt."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt Untersuchungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge. Das Düsseldorfer Gesundheitsministerium hat sich in den Fall eingeschaltet. Der 46-jährige Apotheker hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.