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Apotheker beantwortet Fragen zum Coronavirus

Apotheker Stephan Torke zum Coronavirus
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17. März 2020 - 15:21 Uhr

Stephan Torke stellt sich Ihren Fragen zum Coronavirus

Gibt es noch Atemschutzmasken in den Apotheken? Wird der Ansturm schon merklich größer? Gibt es Medikamente, die unser Immunsystem so stärken, dass die Gefahr einer Ansteckung verringert werden kann? Wie gut sind die deutschen Apotheken auf die Coronavirus-Krise vorbereitet? Hier haben Sie die Möglichkeit, Fragen an Apotheker Stephan Torke zu stellen.

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Kann man Desinfektionsmittel wirklich selbst machen? Hilft das dann?

"Ich würde davon abraten, da das durch das falsche Mischverhältnis feuergefährlich werden könnte. Außerdem kann es auch nach hinten losgehen, wenn man zum Beispiel vergisst, etwas Rückfettendes dazuzugeben. Das trocknet die Hände aus und das Virus hat es dann noch einfacher. Lieber regelmäßig die Hände waschen, das ist noch immer der beste Tipp. Oder richtiges Desinfektionsmittel kaufen, wenn man noch welches bekommt. Bei uns in der Apotheke gibt es keins mehr. Wenn es neue Lieferungen gibt, haben Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegedienste Vorrang, weil diese es für ihre tägliche Arbeit brauchen."​

Sollten Sie es trotzdem mal mit DIY-Gel zum Desinfizieren versuchen wollen, finden Sie hier eine Anleitung. Halten Sie sich an die angegeben Mischungsverhältnisse und denken Sie an das feuchtigskeitsspendende Aloe-Vera-Gel.

Drohen Engpässe für Medikamente – auch solche, die gar nichts mit Corona-Symptomen zu tun haben?

"Lieferengpässe hatten wir vorher schon, unabhängig von der jetzigen Krise. Es lässt sich nur schwer einschätzen, wie sich das weiter entwickelt. Engpässe gibt es bei blutdrucksenkenden Mitteln, solchen für die Schilddrüse, gegen Epilepsie... Querbeet. Momentan ist es echt nicht mehr lustig.

Ganz wichtig ist, sich jetzt schon frühzeitig beim Arzt zu melden und einen Zeitpuffer zu lassen, in dem die Apotheke da handeln kann. Also nicht erst, wenn die Tabletten leer sind. Dann gibt es auch Absprachen zwischen einzelnen Apotheken, die sich gegenseitig aushelfen, Absprachen mit dem Arzt, ob auf andere Wirkstoffe zurückgegriffen werden kann. Da werden wir schon extrem kreativ und konnten so gut wie jedem helfen. Geduld ist wichtig, damit wir helfen können. Man sollte nicht auf den letzten Drücker kommen und sich gern per Telefon oder - besser noch - per App oder E-Mail melden."

Die WHO warnt jetzt doch vor Ibuprofen. Warum und was ist dran?

"Man weiß es nicht genau, aber es gibt die Überlegung, ob die blutverdünnende Wirkung von Ibuprofen die Zellzerstörung begünstigt oder verstärkt. Man muss abwägen, was dran ist, das sind gerade erste Untersuchungen mit sehr geringen Fallzahlen. Vorsichtig zu agieren ist sinnvoll, aber man muss jetzt auch nicht voreilig alles absetzen. Ich würde aber zur Zeit vielleicht eher zu Paracetamol greifen, da ist die Wechselwirkung nicht beschrieben. Wenn das Ibuprofen ärztlich verordnet ist, sollte man mit seinem Arzt sprechen und die Entwicklung beobachten. Was genau dran ist, muss sich in weiteren Studien zeigen."​

Warum gibt es keine Tests für alle in Deutschland?

"Das liegt vor allem an die Ressourcen in dem ganzen System. Das kostet Zeit, natürlich auch Geld, und ist nicht immer zielführend. Wir müssen dafür sorgen, dass wir genug Tests für alle zur Verfügung stellen, die es wirklich brauchen. Und man geht ja sowieso von einer hohen Dunkelziffer aus, von Menschen, die keine Symptome haben. Da kommt man schnell an die Kapazitätsgrenze."

Was Sie tun sollten, wenn Sie den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, erfahren Sie hier.

Bekommen Apotheken irgendwann Schnelltests?

"Es kursieren Gerüchte von Schnelltests für die Apotheken. Ich würde das jetzt aber für Privatmenschen nicht empfehlen, da es auch falsch-negative Ergebnisse geben kann."​

Wie kann man sein Immunsystem jetzt stärken und bringt das überhaupt etwas?

"Eine gesunde Lebensweise und Ernährung hilft natürlich immer. Für Ergänzungsmittel, die das Immunsystem stärken, kann ich jetzt keine generelle Empfehlung geben, aber es schadet jetzt auch nicht. Es hilft ja auch der Psyche, wenn ich das Gefühl habe, etwas Unterstützendes zu tun."

Hier finden Sie Tipps, wie Sie Ihr Immunsystem stärken können.

Wie sinnvoll oder notwendig sind die Maßnahmen, die zum Schutz gegen das Coronavirus eingeführt wurden?

"Da wird gerade relativ besonnen reagiert, die Kurve so lange wie möglich herauszuzögern. Die Kita- und Schulschließungen sind eine sehr sinnvolle Maßnahme, die auch gut umgesetzt wurde. Wir wissen noch nicht genau, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei der Verbreitung des Virus spielen.

Ich würde mir aber wünschen, dass man die Bevölkerung etwas anders mitnehmen würde. Da fallen manchmal Begriffe, mit denen nicht alle etwas anfangen können und weil der Schutz gerade für ältere Personen so wichtig ist, sollte das auch ernsthaft gemacht werden. Das Coronavirus hat das Potential zu einem pandemischen Virus, das sehr gefährlich wird. Gerade die Entwicklungen in Italien zeigen das. Wir kommen fast an eine Sterblichkeitsrate von drei Prozent, aber auch bei rund zwei Prozent wären das [gemessen an der Bevölkerung in Deutschland] circa 160.000 Menschen. Das Gehirn denkt nicht in Prozenten, aber mit vollen Zahlen wird das viel greifbarer. Man wird nicht jeden erreichen, aber es wäre wünschenswert und hilfreich, wenn alle aufeinander achten."​

Welche Maßnahmen und Regeln ab sofort für ganz Deutschland gelten, können Sie hier nachlesen.

Wie können sich Supermarkt-Angestellte und Co. besser schützen?

Glasscheibe schützt Mitarbeiter und Kunden der Grund-Apotheke
In der Grund-Apotheke von Stephan Torke sieht es nun so aus.
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"In unserer Apotheke gibt es jetzt eine Glasscheibe mit einem Spalt unten. Ähnlich wie bei Ticketschaltern. Das ist vielleicht auch für den Supermarkt eine Lösung. Einige Tankstellen haben das jetzt auch schon und hängen die Scheiben da von der Decke. Das ersetzt zwar nicht das Händewaschen oder Reinigen, aber man ist besser geschützt vor Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen sonst übertragen werden könnten."

Am 13. März stellte sich Stephan Torke Ihren Fragen bereits live auf Facebook. Was er da gesagt hat, können Sie sich hier noch einmal anschauen.