Ben Crump kämpft für die Opfer von Polizeigewalt

Exklusiv: Jetzt spricht der Anwalt der "Black Lives Matter"-Bewegung

27. Oktober 2020 - 21:12 Uhr

Von Julide Tanriverdi und Hanna Klouth

Monatelang haben wir auf diesen Termin gewartet. Ben Crump's Terminplan ist voll und ändert sich mehrmals am Tag. Manchmal weiß er nicht, wo er am nächsten Tag sein wird. Nun treffen wir ihn in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania. Es ist 20:30 Uhr und Ben Crump hat schon einen regelrechten Marathontag hinter sich. Deswegen fällt ihm die Wahl zwischen Wasser und Cola auch nicht schwer: Cola natürlich. Denn nach unserem Interview steht schon das nächste an.

"Justizminister der Schwarzen"

Benjamin L. Crump hat sich der Gerechtigkeit verschrieben, er kämpft für die Familien, deren Angehörige Opfer von Polizeigewalt geworden sind. Wie die Familie von George Floyd, Breonna Taylor oder Jacob Blake, um nur drei von ihnen zu nennen. Er ist DER Anwalt der "Black Lives Matter"-Bewegung und schon längst nennen ihn die meisten: "Justizminister der Schwarzen".

Ob dieser Titel Druck auf ihn ausübt, will ich wissen. "Ja das tut es, aber ich nehme es auch demütig an, weil ich sicher gehen will, dass Menschen aus den Gegenden, in denen ich geboren und aufgewachsen bin und die so aussehen wie ich, die gleichen Chancen auf den amerikanischen Traum und auf Gerechtigkeit haben. Das treibt mich an", erwidert Crump.

Ben Crump: Rassismus ist eine Pandemie

In der amerikanischen Gesellschaft ist systematischer Rassismus tief verankert , das Land tief gespalten und durch Donald Trump sei das sogar noch verstärkt worden. Die Hoffnungen, dass sich das nach der Wahl ändern wird, sind bei Ben Crump groß. "Wenn wir eine Veränderung wollen und zurück zu etwas Besserem, dann wählt Joe Biden und Kamala Harris", sagt er.

Nicht ohne Grund bezeichnet Ben Crump Rassismus als eine Pandemie. Eine Pandemie, der Schwarze in diesem Land seit Jahrhunderten ausgesetzt sind und dagegen ankämpfen. Und das haben wir besonders in diesem Jahr gesehen. Wochenlang Massenproteste, landesweit. "Ich denke der Grund für diese Proteste im ganzen Land ist, weil die Menschen die Videos gesehen haben, vor allem bei George Floyd", sagt Crump, und weiter: "Wir sind schockiert, wenn dokumentiert wird, wie ein menschliches Wesen von jemandem ermordet wird, der ihn eigentlich beschützen sollte. Noch schockierender ist der Fakt, dass er uns durch seine Hilferufe, durch den Mord durchführt. Er dokumentiert buchstäblich seinen eigenen Tod."

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"Wir weigern uns aufzugeben"

Ein schwarzer Mann, getötet durch die Hände eines weißen Polizisten. Ein Muster, wie Statistiken belegen. Die Wahrscheinlichkeit, für Schwarze im Laufe ihres Lebens von der Polizei getötet zu werden, ist zweieinhalb Mal so hoch, wie für Weiße. Und in den meisten Fällen werden die Täter freigesprochen. Aber Crump macht in unserem Interview deutlich:

"Wir weigern uns aufzugeben, denn das würde bedeuten, dass wir unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder aufgeben. Und wir wissen, wenn wir nicht für sie kämpfen, können wir auch nicht erwarten, dass es jemand anderes macht."

Millionen kämpfen an Crumps Seite

Und Millionen Menschen beteiligen sich in diesem Jahr an diesem Kampf - weltweit. Und Crump ist davon überzeugt: die Proteste helfen, so lange sie friedlich sind.

Aber sind die Menschen in den USA überhaupt bereit für eine Veränderung, will ich zum Abschluss wissen? "Ich glaube ja, aber wir müssen daran arbeiten", sagt Crump. "Meine Mutter hat mir beigebracht: nichts kommt zu einem Träumer, als der Traum. Damit der Traum wahr wird, musst du arbeiten. Wir müssen arbeiten, damit der Traum wahr wird. Eine Gesellschaft, in der unsere Kinder aufgrund ihres Charakters beurteilt werden und nicht ihrer Hautfarbe."

Und deswegen betet Ben Crump dafür, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem sich endlich etwas ändert.