Anwalt: Breivik plante zwei weitere Anschläge

Polizei verhört Breivik erneut

Der Attentäter von Oslo, Anders Behring Breivik, hatte nach Angaben seines Anwalts bei den Anschlägen vor einer Woche noch umfassendere Pläne. Verteidiger Geir Lippestad sagte der norwegischen Zeitung 'Aftenposten': "Er hatte an diesem Freitag noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung." Diese seien "genau so konkret" gewesen wie die Bombe im Osloer Regierungsviertel und das Massaker auf der Insel Utøya.

Anders Behring Breivik auf dem Weg zur Polizei
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurde Anders Behring Breivik zu einem weiteren Verhör gebracht.
REUTERS, SCANPIX NORWAY

Über den Verlauf sagte Lippestad: "Es sind an dem Tag Dinge geschehen, auf die ich nicht eingehen kann. Sie hatten zur Folge, dass alles etwas anders verlief, als er sich vorgestellt hatte." Konkret nannte der Anwalt in 'Aftenposten' Breiviks Absicht, zwei weitere Gebäude "zu bombardieren".

Breivik wird heute erneut vernommen. Ein Polizeisprecher sagte aber, dass bei dem zweiten Verhör des 32- Jährigen im Tagesverlauf keine neuen Angaben zu erwarten seien. Die Ermittler würden lediglich das Protokoll des ersten Verhörs vom letzten Wochenende nach der Festnahme durchgehen, hieß es weiter.

Polizeisprecher Pål Hjort Kraby bezeichnete den geständigen Attentäter als weiter "ausgesprochen ruhig". Kraby sagte: "Er ist mehr als willig, alles zu erklären." Zwei norwegische Rechtspsychiater sollen Breivik auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und bis 1. November ihr Gutachten vorlegen.

Nach jetzigem Stand soll Breivik wegen der Dimension der Tat erst im nächsten Jahr der Prozess gemacht werden. Der Fall sei so umfangreich, dass die Ausarbeitung der Anklageschrift viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Dann muss sich der Rechtsradikale für alle 76 Morde einzeln verantworten, so Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch.

Der Attentäter hatte am vergangenen Freitag direkt vor dem Osloer Regierungs-Hochhaus eine Autobombe detonieren lassen, durch die acht Menschen starben. Zwei Stunden später begann er auf der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya mit einem Massaker an Teilnehmern eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Er tötete dort bis zu seiner Festnahme 68 Menschen. Die Zahl von 68 Opfern wurde inzwischen von der Polizei bestätigt. Es gäbe keine Vermissten mehr.

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Norwegens Chef-Ankläger Busch sagte, dass Breivik voraussichtlich wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt werde. So könnte es zu einer Verurteilung von bis zu 30 Jahren Haft kommen. Ansonsten wäre nur eine Verurteilung zu maximal 21 Jahren Haft möglich.

Laut norwegischen Medienberichten sollte der Attentäter eigentlich niedergeschossen werden. Angehörige einer Eliteeinheit hätten bereits auf ihn gezielt. Als jedoch sicher gewesen sei, dass der 32-Jährige keinen Sprengstoff am Körper trug, sei der Schießbefehl in letzter Sekunde zurückgenommen worden. Weiter heißt es, dass die Polizei Breivik auf Überwachungskameras im Regierungsviertel schon vor Beginn des Massakers auf Utøya als Täter identifizieren konnte.

In dem Ort Nesodden südlich von Oslo versammelte sich am Mittag eine große Trauergemeinde zum Begräbnis für die 18- jährige Bano Rashid. Sie gehörte zu den Opfern auf Utøya. Die Trauerrede wollte Außenminister Jonas Gahr Støre halten. Bano Rashid war als Vierjährige mit ihren kurdischen Eltern nach Norwegen gekommen und engagierte sich aktiv in der Jugendorganisation AUF der Sozialdemokraten.