Zuschauerfragen und Fakten

Die wichtigsten Antworten zum Coronavirus

Dr. Christoph Specht beantwortet Ihre Fragen rund um das Thema Coronavirus.
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29. Januar 2020 - 9:32 Uhr

Stellen Sie hier Ihre Fragen an RTL-Medizinexperte Dr. Specht

Das in China kursierende neue Coronavirus ist auch in Deutschland angekommen. Die bayerischen Gesundheitsbehörden bestätigten am Dienstag einen ersten Fall: Ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech hat sich in seiner Firma in einem Vorort von München infiziert.

Viele Fakten, aber auch Fragen, die im Raum stehen. RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht gibt Ihnen die Antworten.

+++ Alina: Kann sich das Virus so entwickeln, dass es rein durch die Luft übertragbar wird? +++

Tatsächlich ist es so, dass das Virus über die sogenannte Tröpfchen-Infektion übertragen wird und das heißt: Dass das Virus in mikroskopisch kleinen Wasser-Tröpfchen, die beim Sprechen oder beim Husten entstehen, durch die Luft von einem Menschen auf den anderen übertragen wird. Allerdings ist die Ansteckungsfähigkeit von Viren ganz unterschiedlich. Beispiel: Eines der ansteckendsten Viren, die wir kennen, ist das Masernvirus. Da reicht es aus, dass jemand mit Masern in einem Raum war und ein anderer, nicht geimpfter, nach zwei Stunden in diesen Raum kommt und sich infiziert. Das ist beim neuen Coronavirus ziemlich sicher nicht der Fall. Weil wir sonst viel höhere Fallzahlen hätten. Das Virus ist also "durch die Luft" übertragbar, aber bei weitem nicht so leicht, wie zum Beispiel bei Masern.

+++ Rudi: Wie schützt man sich am besten? +++

Es gelten die gleichen Schutzmaßnahmen wie auch bei der jährlichen Grippe: Menschenansammlungen meiden und vor allen Dingen Hände waschen, mit Wasser und Seife. Desinfektionsmittel braucht es nicht, das neue Coronavirus ist – wie übrigens auch das Grippevirus – behüllt und diese Hülle kann vor allem eins nicht ab: und das ist Seife. Wichtig ist dabei allerdings, dass man die Hände richtig wäscht und das heißt: 1. Lang genug (zwei Mal "Happy Birthday" – die ganze Strophe – singen) und 2. Auch die Zwischenräume der Finger und den Daumen nicht vergessen.

+++ Jessica: Kann man noch unbesorgt hier in Deutschland chinesisch essen gehen? +++

Ich sehe überhaupt kein Problem dabei. Das Virus wird, so viel, wie wir wissen, inzwischen von Mensch zu Mensch übertragen. Und, um sich über ein Tier anzustecken, müssten die Tiere kurz vorher geschlachtet werden. Und diese Tiere müssten infiziert sein. Diese Wahrscheinlichkeit sehe ich für Deutschland quasi bei null.

+++ Ilhem: Wie ist es, wenn ich 3 Stunden in China am Flughafen im Transit Bereich zum Weiterflug bin? +++

Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, Menschenmassen zu meiden. Wenn es sich nicht verhindern lässt, wäre in dem Fall in der Tat das Tragen einer FFP2- oder FFP3-Maske keine schlechte Idee. Das gilt aber derzeit nur für China. In Deutschland brauchen die Menschen keine Masken tragen.

+++ Daniela: Gibt es eine Heilung? +++

So viel, wie wir jetzt wissen, sind Patienten schon wieder entlassen worden. Wir wissen allerdings nicht, ob das Virus komplett aus dem Körper verschwunden ist. Wenn das Virus nicht noch mutiert, wird es wahrscheinlich viele Fälle geben, in denen die Betroffenen die Erkrankung ohne Schäden überstehen.

+++ Leo: Gibt es Medikamente dagegen? +++

Nein. Derzeit nicht. Es gab zwar erste Forschungen dazu, zur Zeiten von SARS (2002/2003), sodass man auf diese Forschungen aufbauen kann. Derzeit gibt es aber keine spezifische Therapie oder ein spezielles Medikament dagegen. Die Chinesen haben versucht, ein Mittel gegen HIV einzusetzen, über die Wirksamkeit ist aber nichts bekannt.

+++ Manfred: Wie ist das Virus entstanden? +++

Um vorweg zu nehmen: nicht im Labor! Wahrscheinlichster "Werdegang" des Virus: Wie alle Coronaviren ist auch dieses Virus im Tier entstanden. Die Tierart kennen wir allerdings nicht. In der Diskussion ist eventuell eine Mischung aus einem Fledermaus- und einem Schlangenvirus. Da herrscht Uneinigkeit in der wissenschaftlichen Community. Und vor kurzem ist es dann von diesem Tier auf einen Menschen übergesprungen. Der Mensch ist jetzt also ein neuer Wirt für dieses Virus. Und das bedeutet, dass das Virus sich an den Organismus Mensch anpassen muss. Dazu sollte man den Virus allerdings so wenig wie möglich Gelegenheit geben, weil es sich dabei genetisch verändern kann und vielleicht dann tatsächlich noch gefährlicher wird.

+++ Sylvia: Warum wird an Flughäfen kein prophylaktischer Abstrich gemacht? +++

Es wäre ein gigantischer Aufwand und in meinen Augen unsinniger Material-Einsatz. Diese Tests - in dem ja auch Labor-Kapazität – machen wirklich nur Sinn, wenn ein begründeter Verdacht auf diese Infektion besteht. Selbst der Einsatz von Fieber-Scannern wie in China sind nur sehr begrenzt sinnvoll, weil 1. Infizierte, wenn sie Fieber haben und reisen wollen, vermutlich das Fieber mit Medikamenten runterdrücken und 2. Die Menschen zwar infiziert sein können, aber noch gar keine Symptome zeigen.

+++ Marina: Ist die ganz normale Grippe viel schlimmer als das Coronavirus? +++

Aus jetziger Sicht, ja! Denn an der ganz "normalen" Grippe sterben alleine in Deutschland jedes Jahr 5.000 bis 20.000 Menschen. Selbst, wenn das neue Virus die Gefährlichkeit von SARS hätte, würden insgesamt "nur" 800 Menschen weltweit daran sterben.

+++ Pia: Können die Viren auch von Waren aus China übertragen werden? +++

Sehr wahrscheinlich nicht. Es gibt noch keine Angaben darüber, wie lange das Virus auf Oberflächen "überleben" kann. Beim SARS-Virus ging man von etlichen Stunden aus. Aber auch das würde ja nicht reichen für einen Transport von China nach Deutschland. Außerdem müssten dann auf der Ware für das Virus ideale Bedingungen herrschen. Die Infektion ist vermutlich fast nur durch Tröpfchenübertragung möglich. Das heißt: durch den unmittelbaren Kontakt von Mensch zu Mensch.

+++ Marvin: Was passiert jüngeren Menschen mit einer chronischen Krankheit, wenn sie angesteckt werden? +++

In der Tat ist es so, dass in China offensichtlich zumindest die ersten stark Erkrankten ältere Menschen mit Vorerkrankungen waren. Aber: Der Fall aus Deutschland zeigt ja, dass auch offensichtlich gesunde und Menschen jungen und mittleren Alters betroffen sein können. Die sind auch gefährdet, weil jede Virusinfektion Menschen mit chronischen Krankheiten besonders schaden kann.

+++ Anna: Wie kam das Coronavirus nach Deutschland? +++

Was wir wissen ist, dass eine Chinesin zu Besuch in Bayern in einer Firma war. Sie hatte keine Symptome. Die Frau hat dort offensichtlich eine Person angesteckt. Die Chinesin hat die Symptome erst entwickelt, als sie zurückgeflogen ist. Daher muss man davon ausgehen, dass das Virus schon übertragen werden kann, wenn man selber noch keine Symptome hat.

+++ Melanie: Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus? +++

Sehr begrenzt. Sie schützen mehr andere davor, wenn ich infiziert bin - damit ich nicht andere anstecke. Ansonsten lacht ein Virus eher über so ein Papier, weil Viren extrem klein sind und nicht nur an den Rändern durchflutschen, sondern tatsächlich mitten durchs Papier. Das Papier ist kein Hindernis. Wenn, dann müsste man schon FFP2- oder FFP3-Masken tragen. Für Deutschland ist das übertieben. Das machen wir erst, wenn wir Tausende von Infizierten haben.

+++ Bastian: Was mache ich, wenn ich eine Reise nach China gebucht habe +++

Wenn es nicht unbedingt nötig ist, sollte man besser nicht hinreisen. In China ist die Situaton schon sehr besonders, alleine durch die Abriegelung - vor allem im Südosten von China. Man sollte lieber versuchen, umzubuchen.

+++ Über 100 Tote in China +++

Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist auf über 4.500 gestiegen, nachdem das chinesische Staatsfernsehen am Dienstag einen Sprung um mehr als 1.700 Fälle im Vergleich zum Vortag meldete. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei habe es auch 24 weitere Todesopfer gegeben, so dass landesweit mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben seien.

+++ Anne: Kann es für Kleinkinder und Babys gefährlich werden? Wie kann man es von einer normalen Erkältung unterscheiden? +++

Bis jetzt weiß man noch nicht, für welche Altersgruppen das Virus besonders gefährlich ist, aber kleine Kinder kann man auf jeden Fall nicht ausschließen. Es spricht nichts dagegen, dass die nicht auch daran erkranken können. Die Symptome sind sehr ähnlich denen einer Grippe oder Erkältung. Insofern ist es sehr schwer, dass zu unterscheiden. Es scheint allerdings so zu sein, dass dieses Virus eher die Tiefenlungenabschnitte betrifft. Niesen und Schnupfen gehören nicht zu den Hauptsymptomen – sondern Husten und Atemnot, nach dem, was man jetzt weiß.

+++ Hongkong macht Grenze für Chinesen dicht +++

Hongkong will seine Grenze für Chinesen aus der Volksrepublik weitgehend dichtmachen. Alle Zug- und Fährverbindungen werden von Donnerstag um Mitternacht an gekappt, wie Regierungschefin Carrie Lam erklärte. Hongkong halbiere auch die Zahl der Flüge aus China, sagte Lam, die mit einem Mundschutz vor die Presse trat.

Vier Grenzübergänge würden für den Personenverkehr geschlossen und ließen zum Teil nur noch Lastwagen mit Fracht für Hongkong durch.Die chinesische Sonderverwaltungsregion hat bisher acht bestätigte Infektionen mit dem neuen Coronavirus.

+++ Lara: Sind es immer 14 Tage Inkubationszeit oder kann es auch länger dauern, bis die ersten Symptome auftreten? +++

Man geht davon aus, dass die Inkubationszeit irgendwo zwischen einem und 14 Tagen liegt. Üblicherweise wohl circa fünf Tage. Nach 14 Tagen muss man kaum noch davon ausgehen, dass da noch etwas nachkommt.

+++ Natalie: Gibt es eine Impfung gegen das Coronavirus? +++

Nein. Es wird zwar daran geforscht, schon aus der Zeit von SARS und darauf kann man aufbauen. Das wird sicher dauern. Wenn es mal eine Impfung gibt, dann erst, wenn diese Epidemie vorbei ist. Es kann ein Jahr oder länger dauern.

+++ Coronavirus-Patient ist Vater aus Landkreis Landsberg +++

Bei dem mit dem neuen Coronavirus infizierten Mann in Bayern handelt es sich um einen 33-Jährigen. "Es geht ihm recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet", sagte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Der Mann habe Kinder, die an seinem Wohnort im Landkreis Landsberg in den Kindergarten gingen. "Natürlich denken wir an Kinder und auch an die Kindergärten, sagte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

+++ Starnberger Coronavirus-Patient steckte sich bei Firmengast an +++

Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China sei zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto im Landkreis Starnberg in Oberbayern gewesen, heißt es aus Kreisen der Gesundheitsbehörden. Der Patient liegt im Münchener Klinikum Schwabing. Mehr Informationen zum ersten Coronavirus-Fall in Deutschland erhalten Sie hier ab 10 Uhr aus der Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums in Bayern.

+++ Jens Spahn: „Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht“ +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich von dem Auftreten des Erregers in Deutschland nicht überrascht. "Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht", so der Minister. Die Bundesrepublik sei gut vorbereitet, und die Gefahr für die Menschen in Deutschland bleibe nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) gering.

+++ Fast 6.000 medizinische Kräfte in Krisenregion geschickt +++

Zur Behandlung der Lungenkranken in Zentralchina sind fast 6.000 Ärzte und Pfleger aus ganz China in die schwer betroffene Provinz Hubei entsandt worden. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unter Berufung auf die Gesundheitskommission, mehr als 4.100 seien bereits vor Ort und hätten die Arbeit aufgenommen. Weitere 1.800 dürften demnach bis zum Abend eintreffen, um die völlig überforderten Krankenhäuser zu unterstützen.