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Antonia Rados über das unvorstellbare Leid im Jemen: "Musste selten etwas Schlimmeres mitansehen"

Antonia Rados über das Leiden im Jemen
Antonia Rados über das Leiden im Jemen Selten "etwas Schlimmeres gesehen" 02:14

Schon 5.000 tote Kinder im Jemen

10.000 Todesopfer, darunter 5.000 Kinder und insgesamt über 22 Millionen hilfebedürftiger Menschen. Das sind die erschreckenden Zahlen einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Die Rede ist nicht von Syrien, sondern vom Jemen. Seit 2014 tobt dort ein blutiger Konflikt. RTL-Auslandkorrespondentin Antonia Rados ist in das Bürgerkriegsland gereist und berichtet über das unvorstellbare Leid der jemenitischen Bevölkerung.

Antonia Rados: "Hier wird um Mahlzeiten gestritten“

ARCHIV - 13.04.2017, Jemen, Sanaa: Menschen erhalten eine Essensration. Der UN-Sicherheitsrat hat Hunger als Methode der Kriegsführung verurteilt. (zu dpa «Sicherheitsrat beschließt Resolution gegen Hunger als Kriegsmethode» vom 25.05.2018) Foto: Han
Besonders die Kinder leiden unter dem Krieg im Jemen. © dpa, Hani Mohammed, HM pat tba fgj

Antonia Rados hat sich ein Bild von der Not im Jemen machen können. Vielerorts kontrollieren Warlords die Städte, Söldner verdienen sich im Krieg ihren Lohn und Witwen streiten sich um Nahrungsreste. Selten habe sie etwas Schlimmeres mitansehen müssen, erzählt die erschütterte RTL-Journalistin. "Im Fastenmonat Ramadan wird hier um Mahlzeiten gestritten", sagt sie. Den Menschen fehle es an Wasser, Nahrung und Medikamenten. Millionen Jemeniten haben sich mit der Cholera infiziert.

Das traurige Schicksal des kleinen Fadl
Das traurige Schicksal des kleinen Fadl Hunger in Jemen 01:27

"Der Jemen ist die weltweit schlimmste humanitäre Krise", erklärte vor einigen Wochen auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Auf einer Geberkonferenz verurteilte er die Lage in dem Bürgerkriegsland scharf. Drei Millionen Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sind laut UN-Angaben unterernährt und leiden an Unterentwicklung. Fast neun Millionen Menschen sind von einer Hungersnot bedroht. Der Nordosten des Jemens wird seit 2014 von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert.

Vom Bürger- zum Stellvertreterkrieg

Karte zu den Konfliktparteien im Jemen.
Die Militärallianz um Saudi-Arabien fliegt seit 2015 Angriffe auf die Huthi-Rebellen im Nordosten. © RTL

Die Huthi rebellieren seit Anfang des Jahrtausends im Jemen. 2014 eroberten sie die Hauptstadt Sanaa. Der damals regierende Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh ins benachbarte Saudi-Arabien. Die Huthis zählen zu den Zaiditen, einer schiitischen Strömung des Islams. Sie machen im Jemen knapp 40 Prozent der Bevölkerung aus. Seit 2015 stoßen die Rebellen auf den erbitterten Widerstand einer Militärallianz, die unter der Führung des sunnitischen Saudi-Arabiens steht. Es wird vermutet, dass die Huthi ihrerseits vom Iran unterstützt werden.

07.05.2018, Jemen, Sanaa:Eine Familie aus dem Jemen geht an Trümmern, die zu einem Präsidentenkomplex gehörten und bei einem Luftangriff getroffen wurden, vorbei. Nach Angaben der Regierung sind bei einem Luftangriff auf Sanaa mindestens sechs Mensch
Durch die Luftangriffen wurden ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht. © dpa, Hani Al-Ansi, OWE hel nwi

Denn der vormals innerjemenitische Konflikt ist in den letzten Jahren zu einer Art Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien angewachsen. Die Länder konkurrieren um die Vormachtstellung in der Region. Ob Teheran die Huthi-Rebellen auch mit Waffen ausrüstet, ist umstritten. Die Militärkoalition um Saudi-Arabien blockiert seit November 2017 den Nordosten und damit alle jemenitischen Häfen im Roten Meer. Seither verschlimmert sich die ohnehin angespannte humanitäre Lage immer weiter.

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