Antonia Rados in Istanbul: "Neues Kapitel für die Türkei beginnt"

08. Juni 2015 - 16:46 Uhr

Keine stabile Regierung mehr

Recep Tayyip Erdogan und seine Partei, die AKP, sind die großen Verlierer der Wahlen in der Türkei. Zwar ist die AKP immer noch die stärkste Partei, aber mit den erreichten 41 Prozent haben sie die absolute Mehrheit verloren. Auch wenn Ministerpräsident Ahmet Davutoglu seine Partei als Gewinner der Wahl titulierte, ist es bezeichnend, dass Präsident Erdogan sich nicht direkt nach der Wahl öffentlich zur Wahl äußerte. Für RTL-Chefreporterin Antonia Rados ist die Wahl deshalb der Beginn eines neuen Kapitels für die Türkei.

AKP Türkei Erdogan
Nach der Wahlschlappe war die Enttäuschung bei den Anhängern der AKP groß.

Grund für die Verluste bei der AKP ist die pro-kurdische Partei HDP. Mit 13 Prozent holte sie ein überraschend starkes Ergebnis. "Eine solche Niederlage hat sich die AKP nach einer Erfolgsserie von zwölf Jahren nicht erwartet. Das ist auch eine Niederlage für Präsident Erdogan", sagte Antonia Rados in Istanbul. "Aber für die ganze Türkei beginnt heute auch ein neues Kapitel, denn dieses Land hat nun keine stabile Regierung mehr."

Präsident Erdogan hatte vor der Wahl argumentiert, dass die Türkei ein Präsidialsystem brauche, um stabiler zu werden. Er hätte sich bei einer absoluten Mehrheit mehr Macht geben können. "Die Wähler erinnerten ihn daran, dass sie ihn für mächtig genug halten", sagte Antonia Rados. Die Niederlage Erdogans und der Erfolg der HDP: Die Türkei steht vor einem neuen Kapitel.