Jüdischer Student vor Synagoge attackiert

Nach antisemitischem Angriff in Hamburg: Ist der Täter schuldunfähig?

Justitia-Abbildungen sind an einer Scheibe zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
Justitia-Abbildungen sind an einer Scheibe zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

11. Februar 2021 - 12:53 Uhr

Der 29-jährige Täter ist in einer Psychiatrie

Der Angriff auf einen jüdischen Studenten (26) vor einer Hamburger Synagoge im Oktober 2020 ein heimtückischer Mordversuch, so die Generalstaatsanwaltschaft nach ersten Erkenntnissen. Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der mutmaßliche Täter aber schuldunfähig.

Ob der 29-jährige Täter auf Dauer in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss, soll das Hamburger Landgericht am Freitag (12.2.2021) entscheiden. Der Deutsche mit kasachischen Wurzeln war nach der Tat auf richterliche Anordnung bereits vorläufig in einer Psychiatrie untergebracht worden.

Das sogenannte Sicherungsverfahren, also der Verhandlungstag am Freitag, findet nach Angaben eines Gerichtssprechers in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Schizophrenie als Auslöser für die Tat vor Hamburger Synagoge?

Laut einem Gutachten leide der Beschuldigte unter einer akuten paranoiden Schizophrenie, begleitet von wahnhaften Verfolgungsängsten. Diese seien als Auslöser für die Tat anzusehen: "Die Ermittlungen haben auf Grundlage dieses Gutachtens keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Beschuldigte in freier Willensbestimmung religiöse, weltanschauliche, rechtsextremistische oder antisemitische Ziele verfolgte", so die Staatsanwaltschaft. Seine Wahnvorstellungen hätten sich zwar vornehmlich gegen jüdische Institutionen, Rituale und Personen gerichtet, "das Bedrohungsszenarium betraf unter anderem aber auch die christliche Glaubensrichtung".

Angreifer trug einen Zettel mit einem Hakenkreuz mit sich

Der Täter trug in seiner Hosentasche einen Zettel mit einem aufgemalten Hakenkreuz. Dies würde an der Bewertung der Attacke jedoch nichts ändern. Denn dem 29-Jährigen sei aus seinem privaten Umfeld wohlmeinend geraten worden, sich gegen die von ihm wahrgenommene Dämonen und echsenartige Wesen mittels einer solchen Zeichnung zu schützen.

Bisherige Ermittlungen hätten nicht ergeben, dass der Beschuldigte bereits vor seiner Erkrankung antisemitisches oder rechtsextremistisches Gedankengut vertreten habe.


Quelle: DPA / RTL.de