Sechsfach höhere Infektionsrate

Studie: Corona-Dunkelziffer bei Kindern deutlich höher

Coronavirus - Israel
Coronavirus - Israel
© dpa, Oded Balilty, OB mka abl

03. November 2020 - 10:09 Uhr

Kinder zeigten keinerlei Symptome

Eine aktuelle Studie zeigt, dass anscheinend deutlich mehr Kinder mit dem Coronavirus infiziert waren, als zunächst angenommen. Die gute Nachricht: Die betroffenen Kinder haben keinerlei Symptome gezeigt. Für Infektionsketten birgt das allerdings ein unterschätztes Risiko.

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Knapp die Hälfte der Kinder zeigte keine Symptome

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben einen neuen Ansatz zur Messung von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 entwickelt und damit die Fr1da-Studie in Bayern noch einmal analysiert. Im ersten Halbjahr 2020 wurde in Bayern die Infektionsrate bei Kindern zwischen 1 und 18 Jahren mittels 12.000 Blutproben ermittelt. Die neue Methode ergab im Vergleich zu den vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Ernährung (LGL) gemeldeten Fällen nun eine um das sechsfache höhere Ansteckungsrate bei Kindern.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern zeigten keine Symptome. Rund ein Drittel (35 Prozent) der Kinder, die mit einem auf das Virus positiv getestetem Familienmitglied zusammenlebten, wiesen Antikörper auf. Dies deutet laut den Wissenschaftlern auf eine höhere Übertragungsrate hin als in bisherigen Studien beschrieben - und damit auch auf eine höhere Dunkelziffer bei Kindern.

Bei dem neuen Testverfahren handelt es sich um einen zweistufigen und zweifach-positiven Ansatz. Dieser führt zu besonders genauen Resultaten, weil die Blutproben auf zwei verschiedene Viren-Proteine getestet werden, mit denen Sars-CoV-2 an die menschlichen Zellen andockt. Im Gegensatz zu den PCR-Tests, die eine akute Infektion nachweisen, lassen sich mit den Antikörperstudien auch im Nachhinein Angaben über die Durchseuchung einer Population machen.

"Unsere Studie liefert wichtige Ergebnisse, die die Diskrepanz zwischen gemeldeten Virusinfektionen und Antikörperaufkommen offenlegen", sagte Markus Hippich, Erstautor der Studie. "Da viele Personen - bei Kindern knapp die Hälfte - keine Covid-19-typischen Symptome entwickeln, werden sie nicht getestet. Um verlässliche Daten über die Ausbreitung des Virus zu bekommen, reicht es also nicht aus, nur auf das Virus selbst zu testen."

Konkrete Hinweise auf das aktuelle Infektionsgeschehen liefert das neue Analyseverfahren allerdings nicht, da Antikörper gegen Sars-CoV-2 erst nach einer bis vier Wochen nachweisbar sind. Bisher gibt es auch keine Belege dafür, dass Sars-CoV-2-Antikörper zu einer Immunität gegen das Virus führen. "Falls dies belegt werden sollte, könnten die Ergebnisse wichtige Informationen zur Immunitätslage der Kinder in Bayern liefern", schreiben die Wissenschaftler.