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Antibiotika machtlos bei Killer-Keimen

Antibiotika machtlos bei Killer-Keimen

15.000 Tote jedes Jahr

Der tägliche Kampf unseres Immunsystems gegen allerhand Bakterien, Keime und Co. - heutzutage wird er mit modernen Waffen geführt: Antibiotika der neuesten Generation sind vielseitig einsetzbar. Doch die Wunderwaffe der Neuzeit beginnt zu schwächeln. Der Gegner ist schlauer geworden, weiß Professor Frank Brunkhorst vom Uniklinikum Jena. "Wenn Sie Antibiotika nehmen – auch nur für eine begrenzte Zeit – werden einige Bakterien, die Sie in ihrem Körper haben, resistent. Die entwickeln Mechanismen, wie sie sich der Toxizität der Antibiotika erwehren können."

Keime im Krankenhaus
WHO schlägt wegen Killer-Keimen Alarm.
dpa

MRSA – heißt einer dieser multiresistenten Erreger, ein typischer Krankenhauskeim. Jährlich sterben daran in Deutschland etwa 15.000 Menschen. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr sind es 3.600. Sich hinters Steuer setzen wird immer sicherer, der Krankenhausaufenthalt dagegen nicht. Die Keimbelastung stieg in den vergangenen Jahren deutlich. Im Uniklinikum Jena untersucht man die Gründe dafür. Brunkhorst: "Wir behandeln immer kränkere Patienten in den Krankenhäusern, immer ältere Patienten, Hochrisikopatienten, die ein hohes Risiko haben, sich mit den eigenen Keimen, die sie auf Haut und Schleimhäuten tragen, zu infizieren."

Tests sollen Menschen schützen

Das größte Problem: Antibiotika werden allzu sorglos verabreicht und verschrieben - prophylaktisch vor Operationen oder einfach mal zur Sicherheit für die eigene Hausapotheke. 2.300 Tonnen pro Jahr - das ist der Verbrauch allein in Deutschland. 900 Tonnen davon werden in der Massentierhaltung verfüttert, landen also wieder auf unserem Teller. Immer neue Präparate konnten das in den letzten Jahrzehnten auffangen, das scheint jetzt aber vorbei zu sein, sagt der Hygieniker Professor Mathias Herrmann: "Wir stellen jetzt zu Beginn des Jahrtausends fest, dass wir nichts mehr in unserer Entwicklungspipeline haben, dass die Bakterien aber aufgrund dieses Anpassungsprozesses, den sie optimal zu beherrschen wissen, jetzt gegen viele Medikamente resistent geworden sind."

Es muss also umgedacht werden. In einigen Krankenhäusern werden Patienten mittlerweile auf resistente Keime wie MRSA getestet und bei Bedarf isoliert. Von über 20.000 Patienten trugen gut 400 den Erreger in sich. Bis die Antibiotika-Forschung wieder etwas Neues bieten kann, muss dieser Handgriff sitzen.