Ansturm auf Kurzarbeit: Arbeitslosigkeit leicht gesunken

31. März 2020 - 15:50 Uhr

Angesichts starker Beschränkungen wegen der Corona-Krise sind in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zwei Wochen rund 19.000 Kurzarbeit-Anzeigen eingegangen. Es handele sich um Betriebe, die - nach eigenen Angaben - die Kurzarbeit infolge der Ausbreitung des Coronavirus angezeigt hätten, teilte am Dienstag die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken mit.

Da die Daten wöchentlich ausgezählt würden, bildeten sie den Stand zum 27. März ab, hieß es. Zum Vergleich: Im Januar gab es in Rheinland-Pfalz nur 52 Anzeigen. "Beschäftigte, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind verunsichert und stehen vor erheblichen finanziellen, teils existenziellen Herausforderungen", sagte Chefin Heidrun Schulz von der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland.

"Wir wollen die Betroffenen in dieser besonderen Situation unterstützen und damit Entlassungen von Beschäftigten möglichst vermeiden", betonte sie einer Mitteilung zufolge. Unabhängig vom aktuellen Haushaltsansatz für Kurzarbeitergeld stünden in der Rücklage aktuell bundesweit rund 26 Milliarden Euro zur Verfügung.

"Viele betroffene Unternehmen - insbesondere kleine und mittlere Betriebe - haben sehr weitgehende Fragen", sagte Schulz. "Sie sind das erste Mal überhaupt mit Kurzarbeit konfrontiert und suchen nach Orientierung." Die Bearbeitung von Leistungsfragen und Leistungsanträgen habe absolute Priorität. "Dafür verstärken wir unser Personal in diesen Teams zurzeit massiv", sagte sie.

Der DGB Rheinland-Pfalz/Saarland sprach von einer dramatischen Entwicklung. "Damit zeichnet sich ab, dass nun Zehntausende Frauen und Männer im Land in Kurzarbeit gehen müssen", sagte der Vorsitzende Dietmar Muscheid. "Wir appellieren nochmals an die Arbeitgeber und die Politik, das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Mit 60 Prozent vom letzten Nettolohn kommen die Betroffenen nicht über die Runden."

Vor der Corona-Krise und dem Herunterfahren weiter Teile des öffentlichen Lebens war die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz leicht gesunken. Das geht aus der von der Regionaldirektion vorgelegten Statistik für März hervor. Allerdings flossen nur bis zum Stichtag 12. März erhobene Daten ein. Die Statistik spiegele nicht die heutige Lage auf dem Arbeitsmarkt wider, betonte die Agentur.

Es könne aufgrund der aktuellen Entwicklung wegen der Pandemie nicht davon ausgegangen werden, dass sich der bis zum 12. März registrierte Rückgang der Arbeitslosigkeit im April fortgesetzt habe.

Für den März - also bezogen auf den Stichtag 12. März - zählte die Agentur 102.628 Arbeitslose im Bundesland. Das waren rund 3000 weniger als vier Wochen zuvor. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren es dagegen über 3500 Jobsuchende mehr. Die Arbeitslosenquote für März dieses Jahres liegt damit der Agentur zufolge bei 4,6 Prozent. Vor einem Monat betrug sie 4,7 Prozent, vor einem Jahr noch 4,4 Prozent.

Angesichts der seit Mitte März in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft blieben Neu- und Wiedereinstellungen der Arbeitsagentur zufolge vorerst aus. Ein Stellenrückgang sei aber auch schon vor der aktuellen Krise zu verzeichnen gewesen, hieß es. So wurden im März den Angaben zufolge 34.661 offene Arbeitsstellen im Land gemeldet. Das waren 12,4 Prozent weniger als ein Jahr vorher.

Quelle: DPA