Ansturm auf einen Kita-Platz: 450 Eltern überrennen neue Kita-Einrichtung

Kita-Chaos in der neuen Kindertagesstätte "Tillj" in Leipzig

Nein, die vielen Menschen auf dem Bild stehen nicht an, um das neuste iPhone zu ergattern oder der erste Käufer der aktuellen Nikes zu sein. Die rund 450 Menschen stehen Schlange, nur um einen Kita-Platz zu bekommen. Mitten in Leipzig hat es am 13. Mai einen großen Ansturm auf eine künftige Kindertagesstätte gegeben. Wie kann so etwas in einem Land wie Deutschland sein? Zumal es ja einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz gibt. Wir haben Tipps für Sie, die Ihnen bei der Suche nach einem Kita-Platz auf jeden Fall helfen.

"Das habe ich noch nie erlebt"

Um sechs Uhr morgens waren die Ersten gekommen - obwohl sich die Türen erst um 10 Uhr öffneten. Knapp 500 Menschen standen stundenlang Schlange, um ihr Kind für einen von insgesamt 165 Plätzen in der neuen Leipziger Kita 'Tillj' anzumelden. "Das habe ich noch nie erlebt", berichtet Julia Schütze von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Einrichtung soll im August öffnen und wird von den Johannitern betrieben. Diese hatten einen öffentlichen Termin angekündigt, damit Eltern ihren Nachwuchs frühzeitig anmelden können.

Doch wie kann es sein, dass Eltern sich in Leipzig fast um Kita-Plätze prügeln müssen? "Die Unterschiede liegen tatsächlich in der finanziellen Ausstattung der einzelnen Kommunen. Es gibt Kommunen, die beim Finanzieren solch einer Einrichtung überhaupt kein Problem haben", so Andreas Seele von der Bundeselternvertretung BEVKi. In Leipzig allerdings sind die Kita-Plätze rar. Daher ist es wichtig, das Kind so früh wie möglich anzumelden. In manchen Orten geht das sogar schon während der Schwangerschaft, in anderen erst nach der Geburt.

Mit diesen Tipps setzen Sie Ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz durch

Eigentlich gilt: Kinder ab dem ersten Lebensjahr haben seit 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in Deutschland. Doch wie können Sie den durchsetzen?

Mirjam Rose, Fachanwältin für Verwaltungsrecht, rät: "Eltern sollten sich erstmal bei den zuständigen Stellen für einen Kitaplatz bewerben und registrieren, das auch auf jeden Fall sichern und am besten an allen wohnortnahen Kitas wirklich eine Bewerbung vornehmen. Damit sie einen Nachweis haben, auch alles getan zu haben, um an einen wohnortnahen Betreuungsplatz zu kommen."

So setzen Sie Ihren Rechtsanspruch durch:

  1. Den Träger der öffentlichen Jugendhilfe anschreiben
  2. Eine einstweilige Anordnung bei Gericht beantragen
  3. Schadensersatz für Verdienstausfall oder für private Betreuung fordern

"Die Finanzierung der Kindertagesbetreuung muss endlich über den Bund gesichert werden, dass nicht nur die Kommunen einzeln daran hängen", appelliert Seele. Werden darüber hinaus auch noch mehr Erzieher und Erzieherinnen ausgebildet, sollten solche unfassbaren Bilder in Deutschland wohl bald nicht mehr zu sehen sein.