Auch Hotels sind betroffen

Anschlagsserie in Sri Lanka: Mehr als 200 Tote bei Explosionen - auch Ausländer

© dpa, Eranga Jayawardena, EJ

21. April 2019 - 17:02 Uhr

Mutmaßliche Anschläge in Sri Lanka: "Schreckliche Szenen"

Am Ostersonntag sind bei einer Serie von offenbar koordinierten Anschlägen in Sri Lanka mehr als 200 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Unter den Opfern sind mindestens 32 Ausländer. Innerhalb einer halben Stunde kam es zu Explosionen in drei Kirchen, drei Luxushotels in Colombo und drei weiteren Städten. Am Mittag folgten zwei weitere Explosionen in einem Hotel und einer Wohngegend. Die Verantwortlichen sind nach Angaben des Verteidigungsministers Ruwan Wijewardene identifiziert worden. Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel.

Viele Tote und Verletzte in Sri Lanka

Explosionen in Sri Lanka Kirche
Die meisten Opfer gab es in den Kirchen. Dort fanden gerade Ostergottesdienste statt.
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Die Herkunft der getöteten Ausländer war zunächst nicht vollständig klar. Nach Angaben der Tourismusbehörde stammen sie aus acht Staaten. Dazu gehörten Indien, die USA, Großbritannien, Portugal, China, die Niederland, Belgien und die Türkei. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab, wie der Minister für Wirtschaftsreform, Harsha de Silva, auf Twitter schrieb. Er habe in einer Kirche in Colombo "schreckliche Szenen" erlebt. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Explosionen gab es in zwei katholischen und einer christlichen Kirche: in der St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, der St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer entfernten Negombo sowie der Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. Außerdem gab es Explosionen in den Luxushotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Verteidigungsministers Wijewardene sprach von einem "terroristischen Vorfall" und von "extremistischen Gruppen".

Auswärtiges Amt: Situation unübersichtlich

Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Die Bundesregierung reagierte tief betroffen. Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: "Wir trauern um sie und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen". Das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts teilte mit, die Situation sei unübersichtlich. "Die Botschaft Colombo bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob Deutsche betroffen sind. Wenn Sie vor Ort sind: Bleiben Sie den Anschlagsorten fern. Folgen Sie Anweisungen der Behörden". Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden.

Das Auswärtige Amt hat inzwischen auch seine Reisehinweise aktualisiert: "Mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen, aber auch Einschränkungen im Flugverkehr und verstärkten Kontrollen vor dem Betreten des Flughafengebäudes und dem Abflug ist zu rechnen". Militär und Polizei seien sichtbar präsent.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich bestürzt über die Anschlagsserie. "Die Nachrichten aus Sri Lanka machen fassungslos. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und hoffen mit den Verletzten", schrieb er auf Twitter. Am Osterfest so viel Hass zu erleben, schmerze. "Ostern ist ein Fest der Liebe, das uns lehrt: Hass unsererseits kann nie die Lösung sein".

Sri Lanka Colombo Expolsionen Kirche
Eine ältere Frau wird in der Nähe des Explosionsort in St. Anthony's Shrine in Colombo gestützt und in Sicherheit gebracht.
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Sri Lankas Bürgerkrieg war 2009 nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee ging gegen die Aufständischen mit aller Härte vor und besiegte sie schließlich. Die UN wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.