Anschlag in Stockholm: Festgenommener steuerte "wahrscheinlich" den Terror-Lkw

12. April 2017 - 14:43 Uhr

Vier Tote, 15 Verletzte

Der Lkw-Anschlag in Stockholm macht ganz Schweden fassungslos. Bei der Amokfahrt mit einem gekaperten Lastwagen kamen im Zentrum der schwedischen Hauptstadt vier Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt. Inzwischen gibt es einen Fahndungserfolg: Ein noch am Abend festgenommener Mann hat "wahrscheinlich" den Lkw gesteuert, so die Polizei. "Wir können nicht ausschließen, dass weitere Personen festgenommen werden, aber wir sehen keine Hinweise, dass eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht."

Ermittlungen wegen Terror- und Mordverdachts

Todes-Lkw von Stockholm
Der Lkw, mit dem der Anschlag verübt wurde, wurde in der Nacht abtransportiert.
© Swepix / Splash News

Der Mann wurde 40 Kilometer nördlich vom Tatort festgenommen. Es handelt sich um einen 39 Jahre alten Usbeken. Der schwedischen Zeitung 'Aftonbladet' zufolge ist er ein IS-Anhänger. Nun steht er unter Terror- und Mordverdacht. Das hat die Staatsanwaltschaft in Stockholm mitgeteilt. Eine angebliche zweite Festnahme weist die Polizei als Gerücht zurück. Dennoch sagte der Chef der Reichspolizei, Dan Eliasson: "Wir können weiter nicht ausschließen, dass mehr Personen in die Attacke verwickelt sind."

Laut einer Bekannten sei der mutmaßliche Täter "kein religiöser Fanatiker"

Eine angebliche Bekannte des Tatverdächtigen hat den 39-jährigen Usbeken Medien zufolge als "ganz normalen Arbeiter" bezeichnet. Er sei "kein religiöser Fanatiker", sagte die Frau der Tageszeitung 'Dagens Nyheter'. Sie gab an, dem usbekischen Landsmann ihre Postadresse zur Verfügung gestellt zu haben. Vor einiger Zeit habe ein gemeinsamer Bekannter sie gefragt, ob der Mann seine Post an ihre Adresse schicken lassen könne, und sie habe zugestimmt. "Wir Usbeken helfen einander", sagte die Frau dem Blatt. Sie habe in den vergangenen Jahren nur bei der Übergabe der Post Kontakt mit dem Mann gehabt. Zuletzt habe sie ihn im Sommer 2016 gesehen. 

Demnach soll der 39-Jährige im Baugewerbe gearbeitet haben. Seine Frau und Kinder hätten nicht in Schweden gelebt. "Ich kann nicht verstehen, dass irgendjemand unschuldige Menschen würde töten wollen", wurde die Frau von der Zeitung zitiert. "Ich habe nie irgendwelche Anzeichen gesehen, dass er ein Extremist war oder sich für Religion interessierte. Im Gegenteil, wie viele Usbeken in Schweden hat er gefeiert und Alkohol getrunken." 

Lkw wird kriminaltechnisch untersucht

Der Lkw, mit dem der Anschlag am Freitagnachmittag verübt wurde, wurde in der Nacht abtransportiert. "Der Lkw soll kriminaltechnisch untersucht werden, um weitere Hinweise zu bekommen, welche Täter noch bei dem Attentat involviert sein könnten", berichtet RTL-Reporter Jürgen Weichert aus Stockholm.

"Jeder versuchte sich irgendwie in Sicherheit zu bringen"

Augenzeugen berichten von einer chaotischen Situation kurz nach dem Anschlag: "Es waren so viele, die verletzt wurden. Manche haben ihre Arme oder Beine verloren. Jeder versuchte sich irgendwie in Sicherheit zu bringen", so ein Passant. Die Polizei bittet nach wie vor, nicht in die Innenstadt von Stockholm zu kommen. "Der Grund sind unsere Ermittlungen, denen wir in Ruhe nachgehen wollen", sagte Jan Evensson von der Polizei. "Es gibt noch einiges am Ort des Anschlags zu tun."

"Wir stehen zusammen gegen den Terror"

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven legte am Abend Blumen am Tatort nieder - zuvor hatte er von einem Terroranschlag gesprochen: "Meine Gedanken sind zunächst einmal bei den Opfern und ihren Familien. In diesen schwierigen Stunden tun unsere Behörden alles was sie können, um Leben zu retten und für unsere Sicherheit zu sorgen."

Die Bundesregierung hat der schwedischen Bevölkerung ihre Solidarität versichert. "Wir stehen zusammen gegen den Terror", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Gedanken der Bundesregierung gingen zu den Menschen in Stockholm, zu Verletzten, Angehörigen, Rettern und Polizisten.

Anschlag erinnert an Nizza und Berlin

Anschlag am Breitscheidplatz
Attentäter Anis Amri hatte diesen Lastwagen in Berlin entführt und als Waffe bei seinem Anschlag am Breitscheidplatz missbraucht.
© deutsche presse agentur

Der mutmaßliche Anschlag weckt Erinnerungen an die Terrorattacken von Berlin und Nizza. Kurz vor Weihnachten 2016 hatte der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen gekaperten Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gelenkt und zwölf Menschen getötet.

Im Juli 2016 raste der 31 Jahre alte Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel mit einem Lkw auf dem Strandboulevard in Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Die Terrormiliz IS reklamierte beide Anschläge für sich. Es würde niemanden überraschen, wenn das auch in Stockholm wieder der Fall wäre.