„Das sollte keine Mutter auf der Welt erleben“

Schüsse in Hanau: Ihre Töchter überlebten das Blutbad

21. Februar 2020 - 9:22 Uhr

Nurhan Agits Töchter überlebten den Anschlag in Hanau

Nurhan Agit steht nach den Ereignissen der Nacht immer noch unter Schock: Ein Mann feuerte in zwei Shisha-Bars und einem Kiosk in Hanau um sich. Danach erschoss er offenbar noch seine Mutter und sich selbst. Nurhan Agits Töchter überlebten die Schießerei. Sie wurden Augenzeugen, aber selbst glücklicherweise nicht verletzt. Die Mutter war die ganze Nacht auf den Beinen und ist weinend durchs Haus gelaufen, in Sorge um ihre Kinder.

„Das sollte keine Mutter auf der Welt erleben“

Blumen und Kerzen für die Opfer in Hanau
Nach den Schüssen in Hanau haben Menschen Blumen und Kerzen für die Opfer am Tatort abgelegt.
© REUTERS, RALPH ORLOWSKI, AWI/

"Es war die Hölle", erzählt sie im RTL-Interview. "Man ist in dem Moment selber tot. Man ist in dem Moment nicht da", sie fand nicht eher Ruhe, bis sie heute Morgen ihre Töchter unverletzt in die Arme schließen konnte. "Das sollte keine Mutter auf der Welt erleben",

Ihre Töchter hätten noch gar nicht viel erzählt, was in der Nacht passiert sei. "Die stehen unter Schock", sagte Agit. "Das einzige was sie sagen können: Sie haben viele Freunde verloren und es hätte uns auch treffen können."

Der Sohn ihrer Freundin starb bei dem Angriff in Hanau

Doch nicht alle hatten in der Nacht so viel Glück, wie ihre Töchter. Der Täter Tobias R. erschoss in zwei Shisha-Bars und einem Kiosk neun Menschen – größtenteils mit Migrationshintergrund. Außerdem tötete er seine 72-jährige Mutter und sich selbst. Die Ermittler gehen von einem rechtsradikalen Hintergrund aus.

Auch der Sohn einer Freundin von Nurhan Agit kam bei der Schießerei ums Leben. Die Frau, die die ganze Nacht um ihre eigenen Kinder gebangt hat, muss nun zur Trauerfeier für den toten Sohn ihrer Freundin. Was die nun durchmacht, möchte sich Agit nicht vorstellen. "Ich wollte es bis heute Morgen, als ich die Bestätigung bekommen habe, auch nicht wahrhaben", sagte die Frau im Interview. Ihre Töchter hätten schon in der Nacht gesagt: "Mama, der Ferhat ist tot. Da kannst du sicher sein", sagte sie. Aber sie hätte es einfach nicht glauben können.

„Wir brauchen keine Rechten in einem demokratischen Land“

Tote durch Schüsse in Hanau
Tote durch Schüsse in Hanau
© dpa, Boris Roessler, brx hjb

Dass jemand in Hanau offenbar aus fremdenfeindlichen Motiven um sich geschossen hat, macht Nurhan Agit wütend. "Wir sind alle Menschen. Wir sind alle gleich", sagt sie. "Ich habe Hass in mir jetzt, ich bin ehrlich. Wir brauchen keine Rechten in einem demokratischen Land", sagt sie. "Ich fühle als Mutter."