Vor Anschlag auf Synagoge beschrieb er sein Vorhaben

Halle-Killer veröffentlichte Anschlagsplan in rechtem Online-Forum

11. Oktober 2019 - 18:07 Uhr

Anschlag in Halle: PDF-Dokument zeigt Bilder der Tatwaffen

Am höchsten jüdischen Feiertag ein Blutbad in einem Gotteshaus anzurichten, das war offenbar das Ziel von Stephan B. Zwei Menschen tötete der mutmaßliche Attentäter von Halle am Mittwoch. Zuvor schrieb er eine Art Erklärung zur Planung des Anschlags. Das PDF-Dokument hat Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, entdeckt, wie sie auf Twitter veröffentlichte. In dem Text sind die antisemitischen Motive in rassistischen Worten beschrieben. Bisher ist nicht von Behörden bestätigt, dass das Dokument von Stephan B. stammt.

Verweis auf Live-Video der Tat in Halle

Augenzeugen-Foto einer Tatwaffe vom Anschlag in Halle in der Dönerbude
Ein Augenzeuge fotografierte eine der Tatwaffen, die der Täter im Dönerladen liegen ließ.
© RTL, Privat

Das PDF-Dokument, das RTL vorliegt, zeigt Bilder von selbstgebauten Waffen. Eine Waffe, die der Attentäter nach seinen tödlichen Schüssen im Dönerladen zurückgelassen hat, gleicht einer der fotografierten Waffen in seiner Erklärung. Dort beschreibt der Attentäter ausführlich, wie er die Waffen hergestellt hat und wie er sie einsetzen will. Eines seiner Ziele war demnach, zu beweisen, dass ein solcher Anschlag auf eine Synagoge mit selbstgebauten Waffen auszuführen möglich ist.

Das Schriftstück enthält auch einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet wurde. Das Dokument sei scheinbar vor gut einer Woche am 1. Oktober angelegt worden, erklärte Expertin Katz auf Twitter.

Alternativ-Plan zum Sturm in die Synagoge

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwochmittag die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch. Im PDF-Dokument hat der Attentäter die Wahl seines Ziels begründet. Dabei greift er auf Verschwörungstheorien zurück, die internationale rechte Online-Netzwerke verbreiten. Seine Erklärung ist in englischer Sprache verfasst und enthält selbstgesteckte Ziele für das Attentat, die verfasst sind, wie es aus Videospielen bekannt ist ("Achievements"). Darin liegt eine klare Parallele zum Christchurch-Attentat in Neuseeland.

In der Beschreibung seines Vorhabens, geht der Autor auch darauf ein, wie er handelt, wenn er es nicht in die Synagoge schaffe. Er beschreibt, Sprengsätze legen zu wollen - wie es auch Augenzeugen vom Tatort berichteten. Diese selbstgebauten Sprengsätze explodierten allerdings nicht.

Stephan B. beschreibt in dem Dokument, dass er Jom Kippur für seine Tat ausgewählt habe, weil dort "auch 'nicht-religiöse' Juden in die Synagoge" gingen. Wenn er es nicht in die Synagoge schaffe, erklärte er vorab, wahllos Menschen töten zu wollen.

Das Protokoll des Anschlags von Halle – jetzt als Doku auf TVNOW.