Neues Feature im Kartendienst

Anschlag in Halle: Google Maps warnt erstmals in Deutschland vor Schießerei

© GoogleMaps

10. Oktober 2019 - 11:07 Uhr

Halle an der Saale: Anschlags-Warnungen erstmals in Deutschland

Zwei Tote, zwei Verletzte und ein nur knapp gescheitertes Massaker in der Synagoge – im ersten Moment befürchtet die Polizei viele weitere Opfer. Am Mittwoch kurz nach 12 Uhr kursieren die ersten Eilmeldungen: Schüsse in Halle. Mehr ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Und schnell warnt auch schon Google Maps: Achtung, Schützen! Hier herrscht akute Lebensgefahr. Wer am frühen Nachmittag per App seinen Weg durch die Stadt plant, kann die Warnung kaum übersehen. "SOS-Warnmeldung: Halle (Saale) – Schießerei", prangt in dicken Lettern auf dem Bildschirm, mitten auf der Landkarte ein dicker roter Kreis mit Ausrufezeichen.

Google-Warnmeldungen: Feature stammt aus den USA

Google Maps: SOS-Warnmeldung warnt erstmals vor Schießerei in Halle.
Der Online-Kartendienst Google Maps warnt vor Schießerei in Halle.
© GoogleMaps

Das Google-Warnsystem wird in Windeseile aktiv – bei Naturkatastrophen, Terror-Anschlägen und ähnlichen Krisensituationen. In den USA gibt es das Feature seit rund zwei Jahren. Dort hat Google schon auf Hurrikans, Überschwemmungen und Großbrände hingewiesen – und auch schon vor "active shooters" gewarnt, also Amokläufern. Auch in Indien hat sich das Feature bewährt. Der Anschlag von Halle ist nun das erste Mal, dass Google Maps auch in Deutschland vor einer Katastrophe warnt. Ein trauriger Anlass für die Plattform, ihr neues Feature der deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren.

So funktioniert's: Sobald die ersten gesicherten Meldungen aus glaubwürdigen Quellen eintreffen, setzt das Google-interne "Crisis Response Team", also Krisenreaktions-Team, im Eiltempo die erste Warnung ab. Achtung, Gefahr! Diese sogenannten "SOS Alerts" werden fortan mit Live-Daten gefüttert und aktualisiert: Was ist passiert? Wann? Welches Gebiet ist betroffen?

Die Warnmeldungen bündeln verifizierte Informationen von lokalen, nationalen oder internationalen Behörden und zeigen unter anderem Notfalltelefonnummern, Ortskarten oder Spendenmöglichkeiten an. Beim Attentat von Halle verlinkt Google den Twitter-Account der örtlichen Polizei-Inspektion sowie den Google-News-Feed mit aktuellen Nachrichten-Updates.

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Schüsse in Halle: "SOS Alerts" als Überlebenshilfe

Die "SOS-Warnmeldungen" sollen helfen, Leben zu retten. Wer sich bei eingeschalteter Standortfunktion seines Handys in der Nähe eines betroffenen Gebiets aufhält oder bei Google Maps nach entsprechenden Routen sucht, wird automatisch auf die akute Gefahrenlage hingewiesen. So sollen Betroffene sich schneller in Sicherheit bringen können.

Dabei lenkt Google Maps seine Nutzer je nach Brisanz der Situation sogar ganz vom Ort des Geschehens weg, bietet alternative Routen an oder weist sie – wie gestern in Halle – auf Beeinträchtigungen im Verkehr hin.