RTL News>News>

Anschlag in Berlin: Anis Amri war den Behörden als Gefährder bekannt

Anschlag in Berlin: Anis Amri war den Behörden als Gefährder bekannt

Sicherheitsexperten berieten zwei Mal über Möglichkeit konkreter Anschlagspläne

Anis Amri war den Behörden bekannt - er stand sogar mehrfach als Gefährder im Fokus. Nach Informationen von 'Süddeutscher Zeitung', NDR und WDR wurde im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über Amri gesprochen.Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, beschrieben demnach seinen Werdegang in Deutschland.

Medienberichten zufolge suchte der mutmaßliche Attentäter von Berlin im Internet nach Bauanleitungen für Rohrbomben und Formeln zur Herstellung von TNT. Außerdem soll er sich bereits Anfang Februar dem Islamischen Staat als Selbstmordattentäter angeboten haben. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass sie ein Video, in dem der Tunesier Amri sich zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannt hat, für authentisch hält.

Das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum hat das Risikopotenzial des 24-Jährigen offenbar völlig unterschätzt. Zwei Mal berieten die Experten auch darüber, ob Amri einen konkreten Anschlag plane - zwei Mal wurde dies verneint. Anis Amri nutzte mehrere Identitäten, beantragte Sozialleistungen unter verschiedenen Namen und es wurde mehrfach - in Berlin und Nordrhein-Westfalen wegen Fällen von Betrug und Körperverletzung gegen ihn ermittelt.

Ermittler stehen bei der Suche nach Hintermännern mit leeren Händen da

Eineinhalb Wochen nach dem Lkw-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt stehen die Ermittler auf der Suche nach Hintermännern mit leeren Händen da. Ein vorläufig festgenommener Tunesier, dessen Nummer der mutmaßliche Attentäter Anis Amri in seinem Handy hatte, ist wieder auf freiem Fuß. "Die weiteren Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei dem vorläufig Festgenommenen nicht um die mögliche Kontaktperson von Anis Amri handelt", sagte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft.

Ermittlungen zu Tatbeteiligten, Helfern und Mitwissern liefen "mit unveränderter Intensität" weiter, erklärte sie. Die Bundesanwaltschaft bestätigte Medienberichte über Ermittlungserkenntnisse zur Bremsautomatik des Lkws, die noch Schlimmeres verhinderte. Offen bleibt vorerst aber, wann der polnische Fahrer starb, mit dessen Lkw der Anschlag verübt worden war. Erst der endgültige Obduktionsbericht soll Klarheit bringen. Dieser wurde für den Januar angekündigt.