Anschlag auf russischen Ex-Agenten Sergej Skripal: Polizei findet in Salisbury Spuren von Nervengift

11. März 2018 - 19:14 Uhr

Reste von Nervengift in einer Pizzeria und einem Pub entdeckt

Die englische Kleinstadt Salisbury kommt nicht zur Ruhe. Seit dem Nervengift-Attentat auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter, sind Spezialkräfte in Sicherheitsanzügen auf der Suche nach Spuren. Jetzt haben die Ermittler laut 'BBC' in einer Pizzeria und in einem Pub Reste des verwendeten Giftstoffs entdeckt. Besucher der Lokale wurden aufgerufen persönliche Gegenstände zu reinigen. Eine akute Gesundheitsgefahr besteht aber wohl nicht. Skripal und seine Tochter Yulia liegen weiter im Koma.

Schon 21 Menschen wurden im Krankenhaus behandelt

Skripal-Anschlag: Reste von Nervengift in einer Pizzeria und einem Pub entdeckt.
Das italienische Restaurant Zizzi in Salisbury bleibt vorerst geschlossen, ein Teil der Möbel wurde vernichtet.
© REUTERS, HENRY NICHOLLS, AW

Am 4.März hatten Passanten Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt. Zuvor waren die beiden laut 'BBC' in einer Pizzeria essen. Der Tisch, an dem die beiden gesessen hatten, sowie andere Gegenstände mit denen sie in Berührung gekommen sind, wurden vorsorglich vernichtet. Spuren des verwendeten Nervengifts wurden auch in einem Pub entdeckt. Skripal und seine Tochter sollen weiterhin in einem kritischem Zustand sein.

Das ganze Wochenende über waren Spezialkräfte in Salisbury im Einsatz. Über 500 Gäste der kontaminierten Lokale wurden aufgerufen, Kleidungsstücke gründlich zu waschen. Insgesamt wurden bisher 21 Menschen im Krankenhaus behandelt, darunter ein Polizeibeamter. Der Mann hatte möglicherweise in Skripals Wohnung Kontakt mit dem Giftstoff und wurde deshalb ins Krankenhaus gebracht.

Verstrickung staatlicher Akteure wahrscheinlich

Nach Angaben der britischen Innenministerin Amber Rudd kommen die Ermittlungen in dem aufsehenerregenden Fall gut voran. Die Ermittler sind sich sicher, dass Skripal und seine Tochter Opfer eines Nervengifts-Anschlags wurden. Wer dahinter steckt, ist bisher unklar. Allerdings soll es sich bei dem verwendeten Gift um einen seltenen, chemischen Kampfstoff handeln. Das, sowie Skripals Vergangenheit, legen die Verstrickung von staatlichen Akteuren nahe.

10.03.2018, Großbritannien, Harnham: Ermittler in Schutzkleidung und Gasmasken bereiten den Abtransport eines Krankenwagens an einer Station des Sanitätsdienstleisters South Western Ambulance Service in der Nähe von Salisbury vor. Die Polizei hatte d
Salisbury ist weiter im Ausnahmezustand.
© dpa, Andrew Matthews

Als Doppelagent versorgte Sergej Skripal den britischen Geheimdienst MI6 mit Informationen über russische Agenten in Europa. Davor war Skripal Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU. 2006 wurde er zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Moskau streitet jegliche Beteiligung an dem mysteriösen Fall ab. Auffällig sind jedoch die Parallelen zum Mord an Alexander Litwinenko. Der Ex-Agenten und Kremlkritiker war 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden. Die Spur der Täter führte damals nach Russland.