Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt: Wurde noch Schlimmeres womöglich verhindert?

22. Dezember 2016 - 17:16 Uhr

Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen

Möglicherweise verhinderte der polnische Lkw-Fahrer, der zum Zeitpunkt des Attentats auf dem Beifahrersitz saß, sogar noch Schlimmeres. Die Obduktion habe ergeben, dass er zum Zeitpunkt des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin noch lebte, berichtet die 'Bild'-Zeitung.

Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen, auch von Messerstichen ist die Rede. Erschossen worden sei der Mann erst, als der Lkw zum Stehen kam. Nach dem Attentat fand man den Polen tot im Führerhaus. Nach dpa-Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen. Von ihr fehlt bislang jede Spur. Der Mann arbeitete für die Speditionsfirma, der der Sattelschlepper gehört, sein Cousin Ariel Zurawski leitet die Spedition.

Zurawski musste seinen Cousin identifizieren. "Es war mit Sicherheit zu sehen, dass er gekämpft hatte", beschrieb er im polnischen Fernsehen das drastische Polizeifoto. "Es waren Stichwunden zu sehen." Das Foto sei angeblich so drastisch gewesen, dass man der Ehefrau des Toten den Anblick ersparen wollte.

14 Menschen schweben noch in Lebensgefahr

 Ein Polizist hält am 20.12.2016 am Ort des Anschlags nahe der Gedächtniskirche eine weiße Rose in der Hand.
In Berlin herrscht Trauer nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.
© dpa, Maurizio Gambarini, gam vge

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert den Angriff für sich, allerdings steht bislang nicht fest, ob wirklich der IS hinter dem Anschlag steht oder der Täter auf eigene Faust handelte. Der IS hatte über sein Sprachrohr Amak verbreitet, der Angriff sei eine Reaktion auf Aufrufe gewesen, die Bürger von Staaten der Anti-Terror-Koalition anzugreifen. Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter der Tat steht, wäre es der erste islamistische Anschlag mit einer Vielzahl von Todesopfern in Deutschland.

Ein zunächst festgenommener Verdächtiger wurde wieder freigelassen, nachdem sich gegen ihn kein dringender Tatverdacht ergeben hatte. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte am Dienstag, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei.

Am Montagabend war der vermutlich entführte Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Herzen Berlins gerast. Einschließlich des Polen starben zwölf Menschen, rund 50 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Laut de Maizière konnten - neben dem Polen - bislang erst sechs Tote identifiziert werden. Bei ihnen handelt es sich um deutsche Staatsbürger. 14 Menschen rangen am Dienstagnachmittag noch mit dem Tod.