23. April 2019 - 15:52 Uhr

Im Video: Hier geht ein mutmaßlicher Attentäter in die St.-Sebastian-Kirche in Negombo

Sieben Selbstmordattentäter haben bei ihren Anschlägen in Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka über 300 Menschen in den Tod gerissen. An der St.-Sebastian-Kirche in Negombo haben Überwachungskameras aufgezeichnet, wie einer der Attentäter die Kirche betritt. Der Mann trägt einen Rucksack als er die zum Ostergottesdienst bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche betritt, wie im Video zu sehen ist.

Anschläge auf Sri Lanka: IS reklamiert die Tat für sich

Nach ersten Erkenntnissen der Regierung waren die Attentate als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament des Inselstaates. Er vermutet ein internationales Netzwerk hinter den Anschlägen einheimischer Terroristen. Inzwischen hat er Islamische Staat die Tat für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amak berichtete am Dienstag in den sozialen Netzwerken, die Angreifer seien IS-Kämpfer gewesen.

Eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath habe nach Einschätzung der Regierung die Anschläge verübt, sagte Wijewardene. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert. ​

Augenzeuge: Attentäter streichelte einem Mädchen über den Kopf

Auf dem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie der mutmaßliche Attentäter mit einem großen Rucksack langsam über einen Platz spaziert und direkt auf die Kirche St. Sebastian zusteuert. Dann betritt er das Gotteshaus und schlendert an den Menschen vorbei. Wenige Sekunden später geht die Bombe hoch.

Wie der indische TV-Sender Channel 9 berichtet, handelt es sich um einen der islamistischen Attentäter. Laut Daily Mail deutet die Größe des Rucksackes darauf hin, dass es sich um "grob lokal angefertigtes Material" handeln könnte. Der Mann habe "sehr jung und unschuldig" gewirkt, schreibt das Nachrichtenportal weiter. Er habe noch der Enkelin eines Gottesdienstbesuchers auf dem Weg zur Kirche über den Kopf gestreichelt. "Das war der Bomber", sagt er.

Laut Unicef kamen 45 Kinder ums Leben

Coffins of victims are carried during a mass for victims, two days after a string of suicide bomb attacks on churches and luxury hotels across the island on Easter Sunday, in Colombo, Sri Lanka April 23, 2019. REUTERS/Dinuka Liyanawatte
Mehrere Opfer des schrecklichen Terroranschlags wurden bestattet.
© REUTERS, DINUKA LIYANAWATTE, DL/MMA

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend in Vororten Colombos.

Die Zahl der Toten lag nach Regierungsangaben vom Dienstag bei 311 - darunter 37 Ausländer. Laut Unicef kamen auch 45 Kinder ums Leben. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. 42 Menschen waren laut Polizei in Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger.

Nationaler Trauertag und Beerdigungen

A woman holds a rosary as silence is observed as a tribute to victims, two days after a string of suicide bomb attacks on churches and luxury hotels across the island on Easter Sunday, during a memorial service in Colombo April 23, 2019. REUTERS/Dinu
Angehörige trauern in Sri Lanka um ihre Liebsten.
© REUTERS, DINUKA LIYANAWATTE, TC

​Staatspräsident Maithripala Sirisena hatte zuvor einen öffentlichen Notstand erklärt. Der Dienstag wurde zu einem nationalen Trauertag erklärt. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo am Ostersonntag die St.-Sebastian-Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.