Anschläge in Berlin: Warum Attentäter gezielt solche Anschlagsorte suchen

21. Dezember 2016 - 12:31 Uhr

"Weiche" Ziele mit hoher Opferzahl

Nach dem Lkw-Anschlag in Berlin, bei dem 12 Menschen ums Leben kamen und 48 Personen teils schwer verletzt wurden, stellt sich die Frage: Warum hat der Attentäter den Weihnachtsmarkt als mögliches Ziel gewählt? Terrorismusexperten sprechen bei solchen Anschlagsorten immer von "weichen" Ziele. Auch das Konzerthaus Bataclan in Paris, wo Attentäter am 13. November 2015 fast 90 Menschen erschossen, gilt als "weiches" Ziel.

Das Bundesministerium definiert das so: "...das heutige Phänomen des islamistischen Terrorismus mit massiven Anschlägen auf "weiche" Ziele mit hohen Opferzahlen auch auf eine Destabilisierung und Einschüchterung ganzer Gesellschaften und Staaten zielt." Vor allem solche Veranstaltungen, die schwer zu kontrollieren sind, sind damit Ziele von Terroristen.

Sicherheitskonzepte deutschlandweit überdacht

Weihnachtsmärkte sind deutsches Kulturgut, beliebt auch bei vielen ausländischen Gästen, die busseweise kommen, um sich von der vorweihnachtichen Stimmung anstecken zu lassen. Doch gerade weil Weihnachtsmärkte die Besuchermassen anziehen, sind sie für Attentäter geeignet, viele Personen zu treffen. Polizei und Veranstalter waren gewarnt, überall wurden die Sicherheitskonzepte überdacht, überarbeitet, und vor allem wurde auch äußerlich sichtbar überall das Sicherheitspersonal verstärkt.

Glühwein und Gewehre, zumindest sollte eine sichtbare starke Polizeipräsenz das individuelle Sicherheitsgefühl erhöhen. Und tatsächlich hat mancher Weihnachtsmarktbesucher ein mulmiges Gefühl. Es gibt Leute, die bewusst diese Menschenansammlungen meiden, andere wiederum ziehen sich trotz allgemeiner Warnungen hingezogen, sehen für sich kein erhöhtes Risiko.

Im hessischen Kassel hat man reagiert und so genannte Anti-Terror-Poller aufgestellt. Sie versperren die Zufahrt zum Weihnachtsmarkt. Weitere Sicherheitsmaßnahmen erklärt die Polizei im Video.

Aber wie echt ist die Sicherheit? Streng genommen ist es ein Eindruck von Sicherheit, aber eben nur ein Eindruck. Das schreckliche Geschehen von Berlin zeigt: Es gibt keinen 100-Prozent-Schutz vor solchen Irrsinstaten. Noch so viele Wachmänner, noch soviele Polizei-Streifen, Terroristen suchen immer Schwachstellen, ihre teuflischen Pläne umzusetzen. Das wissen die Innenminister, diejenigen, die für innere Sicherheit sorgen müssen, dazu gehört auch das Sicherheitsgefühl.

Polizei-Streifen sind in Uniform und auch zivil unterwegs. Dazu Ordner privater Wachdienste. Der Veranstalter hat all das getan, was man so tun kann, um in einer Menschenmenge für Sicherheit zu sorgen.

Das US-Außenministerium warnt allerdings vor Terror-Gefahren in Europa. Vor allem bei Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Weihnachtsmärkten. Die berühmte hundertprozentige Sicherheit kann zwar auch dort niemand garantieren. Die Warnung aber hält der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger für völlig überzogen.

Der Anschlag von Berlin zeigt: Weihnachtsmärkte sind empfindliche Ziele, man kann sie schützen vor Taschendiebe, man kann betrunkene Randalierer aus dem Verkehr ziehen, doch Sprengstoffanschläge oder Attentate mit einem Lkw, die lassen sich vielleicht erschweren, aber nie 100-prozentig verhindern.