Anis Amri wollte ausreisen - IS drängte ihn zu Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

01. Juni 2017 - 10:56 Uhr

Terrormiliz habe "das besondere Potenzial" Amris erkannt

Anis Amri (†24) ist laut Medienberichten von der Terrormiliz Islamischer Staat zu dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gedrängt worden. Er hatte nach Informationen von WDR, NDR und 'Süddeutscher Zeitung' im Oktober ursprünglich geplant, in die vom IS kontrollierten Gebiete auszureisen, wurde aber von einem oder mehreren Mitgliedern gedrängt, den Anschlag zu verüben.

Kontakt zu IS-Instrukteur unmittelbar vor Anschlag

ARCHIV - Eine Schneise der Verwüstung ist am 20.12.2016 auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war. Der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses
Mit einem Lkw hatte Anis Amri eine Schneise der Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gezogen.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj fpt kde fux

Die Terrormiliz habe "das besondere Potenzial" Amris erkannt, heißt es unter Berufung auf Ermittlerkreise. Amri soll noch unmittelbar vor dem Anschlag mit einem IS-Mitglied Kontakt gehabt und Nachrichten ausgetauscht haben. Die Behörden gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass dies ein sogenannter "IS-Instrukteur" war, der Islamisten dabei berät, wie sie Anschläge im Westen begehen.

Amri hatte im Dezember einen Lastwagen gestohlen und den Fahrer erschossen. Das Fahrzeug lenkte er in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche und tötete elf Passanten. Anschließend flüchtete er quer durch Europa, bis er schließlich in Italien von Polizisten erschossen wurde.

Hätte der Weihnachtsmarkt-Anschlag verhindert werden können?

ARCHIV - Polizisten stehen vor dem zerstörten LKW am 20.12.2016 am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Nach der mutmaßlichen Manipulation von Akten im Fall des Attentäters Anis Amri sind in Berlin Wohnungen und Arbeitsplätze mehrerer Beamt
Diesen gestohlenen Lkw hatte Anis Amri in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gelenkt.
© dpa, Michael Kappeler, mkx pil fux wok

Der Fall Anis Amri gewinnt zunehmend an Brisanz. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte Strafanzeige gestellt, nachdem bekannt geworden war, dass Ermittlungsakten zu Amri nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche nachträglich abgespeckt und abgemildert wurden. Möglicherweise sollte so Untätigkeit der Behörden vor dem Attentat vertuscht werden. Es geht um die Frage, ob der verheerende Anschlag hätte verhindert werden können, wenn Amri wegen anderer Delikte vorher verhaftet worden wäre.

Laut Staatsanwaltschaft wurde nach der Anzeige des Senators ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung im Amt und Urkundenfälschung eingeleitet. Der Verdacht richte sich gegen einen Beamten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Sonderermittler des Berliner Senats, der frühere Bundesanwalt Bruno Jost, soll am 3. Juli seinen Zwischenbericht vorlegen. Jost hatte vermutlich manipulierte Ermittlungsakten zu Amri gefunden. Die Regierungsfraktionen erklärten, die Ermittlungen von Jost hätten gravierende Einzelfehler der Sicherheitsbehörden aufgedeckt. Der Ausschuss sollte aber auch strukturelle Fragen im Zusammenspiel zwischen Bund und Ländern und der gesamten Sicherheitsarchitektur klären.