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Animal Equality dokumentiert Tierquälerei in Spanien: Unfassbares Leid auf Kaninchenfarmen aufgedeckt

Luxuslabels als Abnehmer genannt

Kaninchen, dicht an dicht eingepfercht in Käfigen, einige haben blutige Wunden am Kopf oder zerfetzte Ohren. Zwischen verstört blickenden Artgenossen liegen immer wieder tote Tiere – sie werden auf den Müll geworfen, zusammen mit lebendigen Jungtieren, die zu klein waren für die Zucht. Die Tierrechtsorganisation Animal Equality enthüllt in einem Video unfassbare Zustände auf spanischen Kaninchenfarmen. Der Skandal wirft auch ein dunkles Licht auf die Luxusmodebranche: Renommierte Marken verwenden das Fell der gequälten Kaninchen für ihre Produkte.

Kaninchen mit zerfetzten Ohren sitzen zusammengepfercht in einem Käfig.
Verängstigte Tiere, oft mit offenen Verletzungen: Animal Equality deckte schreckliche Zustände in der Kaninchenzucht auf.

Über zwei Jahren hinweg führte Animal Equality nach eigenen Angaben eine Undercover-Recherche in 70 Kaninchenbetrieben in Katalonien durch. Dabei kamen "grobe Verstöße gegen geltende Tierschutzrechte und unbeschreibliches Tierleid" ans Licht, heißt es. Arbeiter schlagen demnach schwache und kranke Tiere vor den Augen ihrer Artgenossen tot. Die Tiere würden lebendig in Müllcontainern entsorgt, verwundete Tiere ohne medizinische Versorgung gehalten. "Wir stehen vor einem Skandal, was Tierquälerei und Hygiene anbelangt", sagt Amanda Romero, Koordinatorin von Animal Equality in Spanien. "Unsere Rechtsabteilung arbeitet daran, dass die dokumentierte Tierquälerei nicht ungestraft bleibt." Die Organisation hat Anzeige gegen die Zucht- und Mastbetriebe erstattet. Den Betreibern drohen Geldstrafen zwischen 60.000 bis hin zu 1,2 Millionen Euro.

Der Skandal reicht wohl bis in die Luxusmodebranche hinein: So konnte Animal Equality Verbindungen einiger angeprangerter Kaninchenbetriebe zu weltbekannten Modedesignern und -Marken nachvollziehen. Demzufolge sollen Burberry, Dior, Armani, Yves Saint Laurent, Louis Vuitton, Marc Jacobs und Diane Von Furstenberg Kaninchenfelle von den spanischen Farmen beziehen. Die Tierschutzorganisation startete eine Kampagne "Leiden für Mode", um Druck auf die Modekonzerne auszuüben. "Wir fordern von den Modemarken, für zukünftige Kollektionen keinen Pelz zu verwenden", sagt Hendrik Haßel von Animal Equality RTLaktuell.de. "Pelz ist ein unnötiger Luxusartikel, der unvermeidbar mit Tierleid verbunden ist."

Diese Unternehmen verpflichten sich zu Kunstpelz

Einige Modelabels wiesen die Vorwürfe zurück, andere reagierten geschockt. In einer RTLaktuell.de zur Verfügung gestellten Antwort von Louis Vuitton heißt es, man verlange ein Zertifikat von den Lieferanten und führe "Prüfungsverfahren vor der Zusammenarbeit durch". Burberry kündigte an, die Sache in ihrer "Lieferkette zu überprüfen". "Burberry wird solche Materialien nicht mehr verwenden, sollten sie unter inakzeptablen Bedingungen in der Tierhaltung produziert worden sein", teilte das Unternehmen mit.

Einige Modehäuser und –ketten haben in der Vergangenheit schon versichert, nur noch Kunstpelz bei ihren Produkten verwenden zu wollen. 'furfreetailer.com' nennt als solche unter anderem: H&M, C&A, American Apparel, Asos, Esprit, die Otto Group, S. Oliver, Tchibo, Zalando und Zara. Die Website zählt zu der US-Initiative 'Fur Free Alliance'.

Wer sich dennoch nicht sicher ist, ob das Fell an der Kleidung tatsächlich aus Kunsthaar besteht, kann das überprüfen. Man könne den Stoff umdrehen und auf lederartige Strukturen untersuchen, auch zwischen den Haaren, rät Haßel. Im Zweifelsfall könne man ein kleines Stück des Fells abtrennen und anzünden. "Riecht es nach Plastik, ist es definitiv kein echtes Fell."

Darüber hinaus machen die spanischen Farmen nicht nur mit den Fellen ein Geschäft – auch das Kaninchenfleisch wird verkauft. Ein Teil der Betriebe beliefere die Firma Lonki in Belgien, die Kaninchen an Rewe in Deutschland verkaufen soll, so die Aktivisten. Weder Rewe noch Lonki gaben der Organisation Auskunft, ob das Fleisch der in Spanien gehaltenen Tiere auch in deutschen Supermärkten verkauft werde. Auch bei Restaurants bestehe die Möglichkeit, dass Kaninchenfleisch aus derartigen spanischen Betrieben stamme, sagt Haßel. "Wer auf Nummer sicher gehen will, isst kein Kaninchenfleisch."

In deutschen Kaninchenmastbetrieben soll es laut der Organisation nicht besser aussehen: "Die Kaninchen werden in Käfigen geboren, nach einigen Wochen von ihrer Mutter getrennt und bereits nach ca. drei Monaten getötet", so Animal Equality.

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