Angst vor Sturmflut in New York: Monstersturm 'Sandy' wird stärker

29. Oktober 2012 - 21:18 Uhr

Ausnahmezustand in Metropolen an der Ostküste

Die Ostküste der Vereinigten Staaten erwartet den schlimmsten Sturm seit Jahrzehnten. Sandy, ein Hurrikan der Kategorie 1, wird in den kommenden Stunden das Festland erreichen. Derzeit befindet sich das Auge des Wirbelsturms noch auf See – und legt dort an Kraft zu. Bis morgen früh um sieben Uhr unserer Zeit wird 'Sandy' dann mehrere Großstädte erreichen: New York, Philadelphia und Washington.

Hurrikan Sandy: Ausnahmezustand in Metropolen an der Ostküste
Das Wasser vor New York ist schon aufgepeitscht - wie schlimm trifft 'Sandy' die Millionen-Metropole?
© REUTERS, GARY HERSHORN

Kopfzerbrechen bereitet den Behörden nicht so sehr der Wind, sondern die gewaltigen Regenmengen und eine bis zu drei Meter hohe Flut. Ufernahe Regionen könnten überflutet werden, vor allem Manhattan ist bedroht. Schon jetzt peitscht der Sturm den Atlantik an den Stränden der Ostküste auf.

Deshalb hat Bürgermeister Michael Bloomberg alle New Yorker aufgefordert, zu Hause zu bleiben. "Sie könnten essen oder ins Kino gehen. Aber denken Sie daran: Es ist gefährlich da draußen. Vielleicht ist das einfach ein guter Tag, vor dem Fernsehen zu sitzen und ein Sandwich zu essen", sagte Bloomberg.

Die Warnung kommt nicht von ungefähr, wenn man die Dimensionen des Monstersturms einmal deutlich macht: Die Ausdehnung des Sturms ist so groß, dass die Strecke von Hamburg bis Rom darunter Platz finden würde. In wenigen Tagen wird im Nordosten der USA so viel Regen fallen, wie zum Beispiel in Köln in einem halben Jahr.

Befürchtet wird zudem, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stößt. Diese Kombination könne zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan 'Bob' an der Ostküste vier Menschen und führte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden zu hohen Schäden.

Notstand in neun US-Staaten

Neun US-Staaten erklärten den Notstand. "Dies ist ein ernster und großer Sturm", warnte Obama. Das Land müsse gewappnet sein. Das Weiße Haus teilte mit, Obama wolle in Washington bleiben, um schnell auf 'Sandy' reagieren zu können. Der Sturm, der jetzt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern auf New York und Washington zurast, hat in den Städten das öffentliche Leben lahmgelegt - eine seltsam-bedrohliche Ruhe macht sich breit.

"Das ganze System ist stillgelegt", steht in dicker roter Schrift auf Bildschirmen an allen 468 New Yorker U-Bahnhöfen. Auch Busse, Fähren und Regionalzüge waren schon am Sonntagabend vorsorglich in die Depots gebracht worden. Die Vereinten Nationen, die Börse an der Wall Street, Schulen, Universitäten, Theater, Opern sowie viele Büros und Geschäfte sollten am Montag geschlossen bleiben. Neben starkem Regen und Schneefällen könnten große Teile Manhattans überschwemmt werden. 375.000 Menschen wurden angewiesen, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Die ersten Tunnel, die Manhattan mit New Jersey und Brooklyn verbinden, wurden geschlossen.

Auch Washington gleicht einer Geisterstadt. Hamsterkäufe führen zu ersten Engpässen. Viele Supermärkte von Washington bis New York haben kein Wasser mehr, Regale sind leer. Auch Batterien und Lebensmittel in Dosen sind knapp.

Auf seinem Weg zu den USA hat 'Sandy' derweil wahrscheinlich zwei weitere Menschenleben gefordert, nachdem der Hurrikan in der Karibik mindestens 66 Menschen den Tod brachte. Die US-Küstenwache rettete mit Helikoptern 14 von 16 Besatzungsmitgliedern des Dreimasters 'Bounty'. Zwei Mitglieder der Besatzung des Nachbaus der historischen 'HMS Bounty' werden in den aufgewühlten Gewässern vermisst.

Wegen des Hurrikans werden in der Karibik mindestens sechs Franzosen vermisst. Die sechs oder sieben Segler seien mit einer Freizeitjacht zwischen den Inseln Martinique und Dominica unterwegs gewesen, teilte das Verkehrsministerium in Paris mit. Seit Sonntagabend fehle von ihnen jede Spur.

Tausende Flüge wurden wegen des Sturms gestrichen, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Allein die Lufthansa strich bundesweit für Montag und Dienstag insgesamt 13 Flüge an die US-Ostküste. Die Fluggesellschaft Air Berlin strich beispielsweise in Düsseldorf jeweils drei Flüge von und nach New York. Abgesagt wurden Flüge an den Airports Frankfurt, München und Düsseldorf. Mit den Verbindungen in die Vereinigten Staaten sollen auch die Rückflüge nach Deutschland ausfallen.