Angst vor Ebola wächst weltweit - Kontrollen an Londoner Flughäfen, Ausstand an US-Airport

In den USA werden Soldaten auf ihren Ebola-Einsatz vorbereitet.
© REUTERS, HARRISON MCCLARY

14. Oktober 2014 - 18:23 Uhr

Leipziger Patienten geht es sehr schlecht

Die Angst vor Ebola wächst weltweit: Nach den USA führt auch Großbritannien Ebola-Einreisekontrollen ein. Der Zustand des in Leipzig behandelten Ebola-Patienten aus Westafrika ist nach Angaben der Ärzte weiter hochgradig kritisch, aber stabil. In Guinea, Sierra Leone und Liberia nehmen die Ansteckungen wieder zu.

Großbritannien kontrolliert nun Flüge aus dem Ebola-Gebiet. Die Maßnahme gelte an den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick sowie am Terminal für Reisende mit dem Eurostar aus Frankreich, so die britische Regierung mit. Die Kontrollen beträfen Reisende, die aus vom Ebola-Ausbruch betroffenen Ländern wie Liberia und Sierra Leone kommen. Wie die britische Regierung weiter mitteilte, sollen die aus Ebola-Ländern ankommenden Passagiere nach ihren Reisedaten und Kontakten sowie nach weiteren Reiseplänen befragt werden. Im Zweifel kann auch medizinisches Personal hinzugezogen werden. Die Entscheidung sei auf Anraten des obersten britischen Amtsarztes getroffen worden.

In Spanien hatte es zuletzt die erste Ebola-Ansteckung in Europa gegeben. Der spanischen Pflegehelferin, die sich in Madrid bei einem Patienten angesteckt hatte, geht es inzwischen sehr schlecht - wie auch dem Infizierten, der seit Donnerstag in Leipzig behandelt wird. Er ist der dritte Ebola-Patient, der in eine deutsche Klinik gebracht wurde. Zurzeit wird auch in Frankfurt ein Ebola-Patient behandelt. Am Hamburger Uniklinikum war zuvor ein Infizierter als geheilt entlassen worden.

Bei der Behandlung der Spanierin wurde erstmals das Medikament 'ZMapp' eingesetzt. Eine Lieferung des experimentellen Mittels, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien gekommen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf Krankenhaussprecher. Der Zustand der 44-jährigen Patientin sei nach der gravierenden Verschlechterung vom Vortag stabil.

Eine vorläufige Entwarnung gab es aus Mazedonien. Entgegen erster Meldungen ist dort ein Brite nach jüngsten Einschätzungen der Behörden nicht an Ebola gestorben. Die Ergebnisse der Untersuchung von Blut- und Gewebeproben stehen allerdings noch aus.

Helfer warnen vor Ausweitung - neue Fälle in Guinea

Aus Angst vor Ebola traten am New Yorker Flughafen La Guardia etwa 200 Reinigungskräfte in den Ausstand. "Grundsätzlich kann man ja Sorgen verstehen", sagte ein Mitarbeiter der Firma Air-Serv. "Aber nicht nur, dass wir alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben. Mediziner bestätigen auch, dass man sich auf diese Weise nicht anstecken kann." In den USA sollen Flugreisende aus den vom Ebola-Virus betroffenen afrikanischen Ländern künftig an fünf großen Flughäfen des Landes auf mögliche Symptome untersucht werden.

Mit einem ganz schlechten Ebola-Scherz hat ein Passagier auf einem Flug von den USA in die Dominikanische Republik Medienberichten zufolge Angst unter den Reisenden verbreitet. "Ich habe Ebola, ihr seid alle geliefert", soll der Mann in einer US-Maschine auf dem Weg von Philadelphia nach Punta Cana gesagt haben. Nach der Landung sei ein Sondereinsatz-Team der örtlichen Gesundheitsbehörde in blauen Schutzanzügen an Bord gegangen und habe ihn abgeführt, berichtete der Sender CNN. Statt wie geplant zwei Wochen Urlaub in der Dominikanischen Republik zu verbringen, sei der 54-Jährige in die USA zurückgeschickt worden. Eine Untersuchung habe zuvor ergeben, dass der Mann nicht mit dem Virus infiziert sei.

Derweil haben neben der klinischen Erprobung eines Ebola-Impfstoffs in den USA und Großbritannien auch in Afrika entsprechende Tests begonnen. Drei Mitarbeiter des Gesundheitswesens von Mali waren die ersten Afrikaner, denen das in Amerika entwickelte Serum verabreicht wurde. Darunter ist ein 37-jähriger Kinderarzt. Er hoffe, mit der Impfung Immunität zu erlangen, so dass er Patienten helfen könne, sollte Ebola sein Land erreichen, sagte er. Insgesamt haben sich in Mali 40 Freiwillige zur Verfügung gestellt. Auch in Gambia sind Testreihen geplant. In diesen beiden Ländern gab es bislang keine Ebola-Fälle. Vorläufige Erkenntnisse zur Wirkung und Sicherheit des Mittels mit der Fachbezeichnung 'cAd3-EBO-ZV könnten Ende November vorliegen, sagte Samba Sow, der Leiter des Zentrums für Impfstoffe in Bamako.

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. An der Seuche sind laut WHO inzwischen 4.033 Menschen gestorben. Insgesamt seien bis zum 8. Oktober rund 8.400 Ebola-Fälle in sieben Ländern gemeldet worden. Die meisten Toten seien in den westafrikanischen Länder Liberia (2.316), Sierra Leone (930) und Guinea (778) zu beklagen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Zudem berichtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen von Rückschlägen in Guinea, wo der bislang folgenschwerste Ebola-Ausbrauch der Geschichte im vergangenen Dezember begonnen hatte. Vor einigen Wochen habe es zunächst Anzeichen für einen langsamen Rückgang der Neuinfektionen gegeben, der Hoffnungen auf ein absehbares Ende der Epidemie weckte. Doch derzeit erlebe die Hauptstadt Conakry wieder einen starken Anstieg von Ebola-Fällen, erklärte die Organisation. Laut Weltgesundheitsorganisation gab es in Guinea eine Zunahme um 100 bestätigte Ebola-Infektionen innerhalb einer Woche. Auch in Sierra Leone und Liberia nähmen die Ansteckungen weiter zu.