Angst vor dem Fremden: So ist das Leben neben einem Flüchtlingsheim

1. September 2015 - 15:25 Uhr

Wenn diffuse Ängste auf die Realität treffen

Buckenweiler ist ein idyllisches kleines Dorf in Baden-Württemberg. Es dürfte wohl wenige Orte in Deutschland geben, in denen der Flüchtlingsanteil so hoch ist - er beträgt hier rund fünfzig Prozent. "In Buckenweiler haben wir 120 Einwohner und davon 57 Flüchtlinge, und die sind dort gut aufgenommen worden", so der stellvertretende Bürgermeister, Herbert Kaspar. "Wir haben hier keinerlei Probleme mit den Nachbarn oder mit den Bürgern vom Ortsteil gehabt."

Leben neben einem Flüchtlingsheim
Seit die Flüchtlinge im Dorf sind, ist es zwar öfter mal etwas lauter, doch dafür ist das Zusammenleben auch herzlicher.

Marga lebt direkt neben dem Flüchtlingsheim, das in einer ehemaligen Gaststätte untergebracht ist. Sie wusste nicht, was da auf sie zukommen würde. Doch inzwischen hat sie die neuen Nachbarn aus Syrien, Afrika oder vom Balkan ins Herz geschlossen. "Ich habe eigentlich zu allen ein sehr gutes Verhältnis, ich kenne alle beim Namen, ich kenne das Alter, wir duzen uns alle." Und Marga hilft wo sie kann. Das bestätigt auch Hala. Sie ist aus Syrien geflüchtet. "Unsere Nachbarin Frau Marga fragt uns oft, ob wir irgendetwas brauchen, Kleidung oder etwas vom Markt. Sie sagt, ich helfe euch, wo ich kann."

Auch die ehrenamtliche Helferin Tanja Braune steht den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite - und das kommt an. "Die Grundstimmung ist ganz super, man wird auch immer empfangen mit offenem Herzen. Man wird eingeladen zum Tee, zum Kaffee, zum Essen zum Trinken." Seit die Flüchtlinge im Dorf sind, ist es zwar öfter mal etwas lauter, doch dafür ist das Zusammenleben auch herzlicher. "Die grüßen, die sind freundlich", meint Anwohnerin Katja Hilsenbeck. "Vieles, was man oft bei den eigenen Landsmännern vielleicht vermisst."

Flüchtlinge machen Berlin-Köpenick bunter

Ängste und Sorgen, wie sie anfangs in Buckenweiler existierten, gibt es auch in der Großstadt. Dirk Warbelow war wie viele andere skeptisch, als in seiner Nachbarschaft in Berlin-Köpenick ein Flüchtlingsheim entstand. Doch die negative Stimmung gefiel ihm nicht. Er beschloss sich als Helfer zu engagieren - und kam so mit den Flüchtlingen ins Gespräch. "Die erklären einem, warum, wieso, weshalb sie nach Deutschland gekommen sind, und da sind schon ein paar sehr krasse Geschichten dabei, wo man mehr als Verständnis hat, dass sie die Reise auf sich genommen haben."

Und seine Arbeit als Helfer hat ihm noch mehr gebracht. "Letztendlich ist es so, dass sich auch Freundschaften mittlerweile entwickelt haben mit ein paar Heimbewohnern", erzählt Warbelow. "Wir telefonieren mehr oder weniger regelmäßig, wir unternehmen was zusammen, sofern es die Zeit zulässt. Man ist vom Prinzip her der erste Ansprechpartner, wenn es irgendwelche Fragen und Probleme gibt." Alle Ängste und Sorgen die Dirk Warbelow zunächst hatte, sind vergessen. Durch die Flüchtlinge ist Berlin-Köpenick auch für ihn ein bunterer Ort geworden.