Migranten harren jahrelang an US-Grenze aus

Mutter floh mit drei Kindern vor gewalttätigem Mann

21. Januar 2021 - 18:16 Uhr

Merlyn: "Ich wäre sonst nicht mehr am Leben"

Tausende Menschen aus Zentralamerika flohen vor zwei Jahren Richtung USA. Aus Todesangst verließen sie ihre Heimatländer und hofften, den amerikanischen Traum leben zu können. Doch an der südlichen US-Grenze war für viele erst mal Schluss. Merlyn floh mit drei Kindern aus Honduras, weil ihr Mann sie misshandelte. "Ich wäre sonst nicht mehr am Leben", erzählt sie im Video.

Mexiko: Grenzmauer wirkt wie ein Magnet

Migranten an der Grenze zu den USA
Migranten flohen im November 2018 vor Tränengas, das von US-Sicherheitskräften eingesetzt wurde.
© dpa, Rodrigo Abd, RA pat

Als 2018 immer mehr Migranten an die Grenze gelangten, rüsteten Mexiko und die USA auf. Es gab Chaos, und die Menschen hausten zum Teil unter menschenunwürdigen Umständen. Dennoch kommen noch immer Flüchtlinge hierher. Die Grenzmauer in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana wirkt wie ein Magnet. Offenbar gibt sie den Menschen das Gefühl, ihrem Ziel ganz nahe zu sein. Tausende harren hier aus, ein Migrantenheim reiht sich ans nächste.

Schule für 50 Kinder in Grenzstadt Tijuana

In einer staubigen Schlucht singen und spielen Kinder. Eine amerikanische Nichtregierungsorganisation (NGO) hat dafür gesorgt, dass 50 Kinder lernen und möglichst frei von Sorgen leben können. Auch Merlyns Kinder gehen hier zur Schule. 2018 war sie mit ihnen vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen.

Den Traum von einem Leben in den USA hat die Mutter auch nach Jahren des Wartens noch nicht aufgegeben. Doch die US-Gerichte sind überlastet. Inzwischen kommt zur Angst Verzweiflung. "Manchmal frage ich mich: 'Warum bin ich überhaupt hierhergekommen?'", sagt sie.

Lieber im Migrantenlager als zuhause in Angst leben

Merlyn harrt mit ihren Kindern im Migrantenlager, weiß noch immer nicht, wann ihr Asylverfahren beginnt. Aber hier zu warten sei noch immer besser, als in ihrer Heimat Honduras in Angst zu leben, sagt sie. Und weiß: Zu ihrer Flucht gab es keine Alternative.