Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Betroffener Lehrer erzählt : "Ich geh jetzt zur Polizei und sag, dass Sie mich geschlagen haben“

25. September 2020 - 10:59 Uhr

von Lisa-Marie Stryer

Lehrer werden zunehmend von Schülern gemobbt und angegriffen. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung hervor. "Die Entwicklung der Gesellschaft spiegelt sich an den Schulen wider", beklagt Verbandschef Udo Beckmann.

Wir haben mit Martin Hermes gesprochen. Er  unterrichtet Deutsch und Geschichte an einer Wuppertaler Realschule. Er wurde von einem  Sechstklässler – gerade mal 12 Jahre alt- perfide unter Druck gesetzt. Der Schüler habe sich selbst verletzt und dann gesagt: ""Ich gehe jetzt zur Polizei und sag, dass Sie mich geschlagen haben". Mehr dazu sehen Sie im Video.

Körperliche Attacken gegen Lehrer an jeder dritten deutschen Schule

Immer mehr Schulleiter berichten von körperlichen Angriffen auf Lehrer: Jede dritte Schulleitung (34 Prozent) in Deutschland gab demnach an, dass in den vergangenen fünf Jahren an ihrer Einrichtung Lehrer attackiert wurden. 2018 hatten das nur 26 Prozent der Schulleiter beklagt.

Betroffen sind vor allem Pädagogen an Grundschulen (40 Prozent), aber auch an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (21 Prozent) kommt es häufiger zu körperlicher Gewalt als an Gymnasien (7 Prozent). 

Beschimpfungen und Drohungen

ARCHIV - 10.01.2018, Berlin: Ein Mann geht an einem Schild vorbei, das den Weg zum Lehrerzimmer weist. Gewalt gegen Lehrer hat laut einer Umfrage unter nordrhein-westfälischen Schulleitern in den vergangenen Jahren zugenommen. Wie die Lehrergewerksch
Umfrage: Gewalt gegen Lehrer nimmt zu
© dpa, Maurizio Gambarini, gam dna scg jol sab

Deutlich mehr Schulen berichteten im Vergleich zu 2018 auch von Beschimpfungen, Drohungen, Belästigungen oder Mobbing gegen Lehrkräfte: 61 Prozent, also knapp zwei Drittel aller Schulleiter, gaben an, es habe in den vergangenen fünf Jahren entsprechende Fälle gegeben. 2018 sagte das knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten.

Hilferuf des Verbands Bildung und Erziehung

"Wir brauchen an den Schulen dringend Unterstützung durch Sozialarbeiter und Schulpsychologen", betonte der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann im RTL-Interview. "Außerdem möchten wir, dass die Kultusministerien dazu übergehen, alle Vorfälle statistisch zu erfassen, damit ein Handlungsdruck entsteht und die betroffenen Schulen gezielter unterstützt werden können", so Beckmann.

Tatort Internet: Cybermobbing nimmt zu

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© Getty Images/iStockphoto, DragonImages

Eine zunehmend große Rolle spielt auch Cybermobbing: Rund ein Drittel (32 Prozent) der Schulleiter berichten von Angriffen und Belästigungen über das Internet. (2018: 20 Prozent) Vor allem an Haupt-, Real- und Gesamtschulen mobbten Schülerinnen und Schüler ihre Lehrer online.

Unterstützung der Eltern wichtig

Besonders bitter: Nur etwas mehr als die Hälfte der Schulleiter (56 Prozent) gab an, dass sie Kollegen, die Gewalt erfahren haben oder gemobbt wurden, ausreichend unterstützen konnten. Das liegt der Umfrage zufolge vor allem daran, dass die Eltern der Schüler nicht kooperationswillig waren und Schüler uneinsichtig blieben.

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