Angela Merkels schlimmster Wahlkampfauftritt in Torgau: "Hau ab!"

07. September 2017 - 13:58 Uhr

Lautstarke Proteste bei Merkel-Wahlkampfauftritt in Torgau

Im Wahlkampf reiht Angela Merkel (CDU) Auftritt an Auftritt. Die Kanzlerin reist durch die Republik, und an jedem Veranstaltungsort warten auch Gegner auf sie. Merkel ist längst gewohnt, dass die lautstark ihren Unmut äußern und versuchen, ihre Rede zu stören. Meist versammelt sich nur eine kleine Gruppe Störer. Nicht so am Mittwoch im sächsischen Torgau.

Angela Merkel: ihr bisher schlimmster Wahlkampfauftritt

Mehrere Hundert Merkel-Gegner versammelten sich dort. Sie hupten, pfiffen und schrien rund um den Veranstaltungsplatz – auch in unmittelbarer Nähe zur Bühne. Es hagelt jedoch nicht nur Buhrufe für die Kanzlerin. "Abwählen!" und "Hau ab!" grölten die Störenfriede während der halbstündigen Rede in Torgau und bezeichneten die Kanzlerin als "Volksverräterin".

Insgesamt waren drei Gegendemonstrationen angemeldet. Die Alternative für Deutschland kam mit einem Bus in die Stadt an der Elbe, NPD-Anhänger hielten Plakate hoch. Auch die rechtsradikale Thügida aus Thüringen war mit einem Lautsprecherwagen in Torgau vor Ort.

Angela Merkel lässt sich in Torgau nicht unterkriegen

Die Bundeskanzlerin lässt sich von den Protesten nicht unterkriegen. Im Gegenteil, sie sucht den Kontakt mit ihren Kritikern. "Mir ist es wichtig, auch immer wieder dorthin zu fahren, wo ich nicht nur freundlich empfangen werde", sagt Merkel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifenkonzerten und den Sprechchören nicht anschließen, brauchen Ermutigung dafür, weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten."

In Torgau richtete Angela Merkel gleich zu Beginn indirekt das Wort an die wütenden Protestierer: Andere Länder würden sich freuen, "wenn sie unter so demokratischen Bedingungen demonstrieren könnten". Sie mahnte: "Und deshalb können wir dankbar sein, dass wir heute Demokratie haben in Deutschland und freie Wahlen. Andere Völker träumen davon."

Martin Schulz: Wer mit Tomaten wirft, hat einen an der Waffel!

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung am 06.09.2017 in Münster (Nordrhein-Westfalen). Foto: Guido Kirchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Martin Schulz bietet als SPD-Kanzlerkandidat Hass-Protesten die Stirn.
© dpa, Guido Kirchner

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