Kandidaten-Gipfel bei AKK

So hart wird es für die CDU, wenn Merkel geht

Merz, Röttgen, Laschet: Bewerber für den CDU-Vorsitz
© dpa, Gabbert, pil

28. September 2020 - 16:31 Uhr

Von Dirk Emmerich

Noch ein Jahr, dann ist Bundestagswahl. Was viele sich noch gar nicht richtig vorstellen können: Angela Merkel wird nicht mehr antreten, der Wahlkampf findet ohne sie statt. Für CDU und CSU könnte das ein großes Problem werden, wie eine RTL-Forsa-Umfrage zeigt. Am Montag gab's das erste Treffen der drei möglichen CDU-Nachfolger.

AKK lädt Kandidaten ein

Annegret Kramp-Karrenbauer hat ins Konrad-Adenauer-Haus eingeladen. Offiziell geht es um das Procedere, wie Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen in der verbleibenden Zeit für sich werben werden, bevor der Parteitag im Dezember einen neuen Vorsitzenden wählt. Aber es geht längst nicht nur um dieses Procedere, sondern auch um das Renommee der CDU. Denn keiner der drei Kandidaten hat es bislang geschafft, sich in die Pole Position zu bringen. Keiner der drei entfacht Begeisterung oder Aufbruchstimmung. 

Umfrage zeigt fehlenden Merkel-Bonus

ARCHIV - 19.09.2020, Niedersachsen, Hildesheim: Friedrich Merz, Ex-Unionsfraktionschef, spricht während des Niedersachsentag der Jungen Union in Hildesheim. Merz geht anscheinend davon aus, dass sich viele erwerbsfähige Menschen während der Corona-Kr
Friedrich Merz polarisiert.
© dpa, Peter Steffen, pst pat

Die Umfragen für die Partei sind zwar stabil. Aber das hat viel mit Angela Merkel zu tun. Sie hat während der Corona-Pandemie viel Vertrauen zurückgewonnen. Weil sie aber nicht mehr antritt, gibt es bei der kommenden Wahl keinen Merkel-Bonus mehr. Sie habe sich entschieden und dabei bleibe es.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL/ntv macht deutlich, wie lang der Merkel-Schatten sich für die Union noch erweisen könnte. Denn nur die Hälfte der Unions-Wähler will ihre Partei auf jeden Fall wiederwählen. Die andere Hälfte macht dies vom Kanzlerkandidaten abhängig.

Laschet und Merz aussichtsreiche Kandidaten

Und damit sind wir zurück bei den heutigen Beratungen im Konrad-Adenauer-Haus. Klar ist, dass der neue CDU-Vorsitzende auch ein natürlicher Kanzlerkandidat wäre. Gilt das auch dieses Mal? Sicher ist das keineswegs. In den Umfragen um den Parteivorsitz liegt Friedrich Merz vor Armin Laschet, für Norbert Röttgen sieht es schlecht aus.  

Merz bekleidet anders als Laschet kein Regierungs- oder Parteiamt und hat es deshalb schwerer. Er tourt derzeit durch das Land, hält mit seinen konservativen Positionen nicht hinter dem Berg und polarisiert. Dabei schießt er auch mal über das Ziel hinaus oder steht nach Schnellschuss-Äußerungen im Fadenkreuz, wie zuletzt mit seiner Antwort auf die Frage, ob er sich einen homosexuellen Kanzler vorstellen könne

Laschet kann auf Netzwerke in der Partei bauen. Er steht für die Fortsetzung der Ära Merkel. In der Corona-Krise hat er versucht, sich als klug agierender Landesvater zu profilieren und hat dabei nicht immer glücklich agiert.  

Röttgen hat vermutlich keine Chance und steigt wohl nur deshalb nicht aus, um sich mit seiner außenpolitischen Kompetenz weiter zu profilieren, auch für die Zeit nach der Wahl. 

Söder könnte in Kandidatenrennen eingreifen

Je enger das Rennen zwischen Laschet und Merz auf dem Parteitag jedoch wird, umso lauter dürfte der Ruf nach einem Kanzlerkandidaten Markus Söder werden. Der wehrt zwar vehement ab - sein Platz sei in Bayern. Er würde seinen Hut wohl selbst nicht in den Ring werfen, aber wenn ihn die CDU bittet? 

Auf jeden Fall hat Söder die höchste Bindungskraft für die Unions-Wähler. Sollte er antreten, würden zusätzlich zu den 50 Prozent, die bei ihrer Wahlentscheidung bleiben, weitere 31 Prozent erneut CDU oder CSU ihre Stimme geben. Bei Merz wären es nur 9, bei Laschet 8 Prozent.

Über 40 Prozent der bisherigen Unions-Wähler wären weiterhin unentschlossen und könnten zu Wechselwählern werden. Ein Drittel dieser Unentschlossenen könnte zu den Grünen abwandern. Auch das ist ein Ergebnis von Forsa.

Viel Diskussionsstoff also für AKK und die drei Bewerber für ihre Nachfolge im Parteivorsitz. Die Zeit bis zum Parteitag im Dezember ist nicht mehr lang.

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