Chemischer Nervenkampfstoff bei Kreml-Kritiker nachgewiesen

Merkel zu Nawalny-Vergiftung: "Er sollte zum Schweigen gebracht werden"

03. September 2020 - 8:36 Uhr

Alexej Nawalny vergiftet! Kanzlerin Merkel macht Russland klare Ansage

Das Untersuchungsergebnis aus einem Labor der Bundeswehr erschüttert die Beziehungen westlicher Staaten zu Russland – und bestürzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel: Putin-Kritiker Alexej Nawalny soll mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden sein. Die Labortests hätten den "zweifelsfreien Nachweis" darüber erbracht, teilte die Bundesregierung am Mittwoch mit. Es sei sicher, dass Nawalny "Opfer eines Verbrechens" geworden sei, sagte Merkel. "Er sollte zum Schweigen gebracht werden." Ihr ganzes Statement – mit klaren Worten Richtung Russland – sehen Sie im Video.

Fall Nawalny belastet Beziehungen zwischen Deutschland und Russland

ARCHIV - 08.09.2019, Russland, Moskau: Alexej Nawalny steht mit seiner Frau Julia (r), seiner Tochter Daria und seinem Sohn Zakhar, für ein Foto zusammen nachdem sie ihre Wahlstimme bei der Stadtratswahl abgegeben haben. Nawalny liegt wegen Vergiftun
Alexey Nawalny wird - wie von seiner Familie gewünscht - in Berlin behandelt
© dpa, Andrew Lubimov, PAG frd nwi

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach in einer Pressekonferenz am Mittwoch von einem "bestürzenden Vorgang". "Die Bundesregierung verurteilt diesen Angriff auf das Schärfste. Die russische Regierung ist dringlich aufgefordert, sich zu dem Vorgang zu erklären." Das Untersuchungsergebnis – es wurde das Kampfgift Nowitschok (mehr dazu hier) nachgewiesen –  könnte die ohnehin schon schwer angeschlagenen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sowie anderen westlichen Staaten noch einmal massiv erschüttern.

Das Auswärtige Amt hat am Mittwoch den russischen Botschafter einbestellt. "Ihm wurde dabei nochmals unmissverständlich die Aufforderung der Bundesregierung übermittelt, die Hintergründe dieser nun nachweislichen Vergiftung von Alexej Nawalny vollumfänglich und mit voller Transparenz aufzuklären", sagte Außenminister Heiko Maas.

RTL-Politikchef im Video: Wie könnte Deutschland auf die Nawalny-Vergiftung reagieren?

Nawalny wird in Berliner Charité behandelt

Nawalny, der am 20. August auf einem Flug in seiner Heimat plötzlich ins Koma gefallen war und zunächst in Omsk untersucht wurde, wird auf Drängen seiner Familie in der Charité behandelt. Die deutschen Ärzte gingen nach einer Auswertung von klinischen Befunden bereits davon aus, dass Nawalny vergiftet wurde. Die russische Regierung hatte die Einschätzung der Berliner Charité, dass Nawalny vermutlich vergiftet wurde, als vorschnell bezeichnet.

Nawalnys Gesundheitszustand ist nach Angaben der Berliner Charité weiterhin ernst, der Kreml-Kritiker liegt nach wie vor auf der Intensivstation und wird künstlich beatmet. "Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen", teilte die Klinik am Mittwoch mit. "Die behandelnden Ärzte sind mit der Ehefrau von Alexei Nawalny in engem Austausch. Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charité davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist."