Ein Konditionswunder namens Angela

Die Kanzlerin galt bisher als extrem ausdauernd - darum fallen ihre Zitteranfälle besonders auf

12. Juli 2019 - 11:32 Uhr

Von Nadine Schullerus aus dem RTL-Hauptstadtstudio

Die Bundeskanzlerin ist bekannt für ihre Kondition. Sie ist bekannt dafür, dass sie keine Schwäche zeigt. Doch der Mythos hat seit drei Zitteranfällen Risse bekommen. Heute hat sie die dänische Ministerpräsidentin im Kanzleramt empfangen. Und die ganze Welt fragt sich, ob auch dieser Termin womöglich zur Zitterpartie gerät.

Militärische Ehren im Sitzen - das hat es noch nicht gegeben

Eine Minute, 50 Sekunde für die dänische Hymne, es folgt die deutsche. Eine Minute, fünf Sekunden. So lange muss die Kanzlerin eigentlich stillstehen. Normalerweise ist das kein Problem für Angela Merkel. Doch heute sitzt sie am roten Teppich. Das hat es so noch nicht gegeben. Zwei Stühle am roten Teppich. Es wirkt, als wolle das Kanzleramt vorsorgen: Bloß keinen weiteren Zitteranfall! Drei Mal in den vergangenen Wochen erlebte die Welt eine Kanzlerin, die sichtlich um Haltung bemüht war und zitterte.

Konditionswunder Angela Merkel

Und nicht nur die Bürger, auch Politiker und Journalisten fragen sich, was ist da nur los? Man fragt sich das vor allem deshalb, weil Angela Merkel als Konditionswunder gilt – zumindest bisher.

Die Groko-Koalitionsverhandlungen im Februar 2018 zum Beispiel, dauerten 25 Stunden. Und während Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich danach auf eine Dusche freute, gab Merkel noch eine Pressekonferenz.

35 Stunden Verhandlungsmarathon – keine Seltenheit

Die Kanzlerin ist wenig Schlaf, lange Verhandlungen und einen vollen Terminkalender gewöhnt. Erst vor zwei Wochen reiste sie donnerstags nach Japan zum G20-Gipfel. Ankunft mitten in der Nacht deutscher Zeit. Aber vor Ort in Osaka ging es für sie sofort in die ersten Gesprächsrunden. Rückreise am Samstagabend, sonntags ging's nach Brüssel. Und dort wurde dann die ganze Nacht um den Posten des EU-Kommissars geschachert.

„Kamelkapazität“ mit Schlaf umzugehen

35 Stunden Verhandlungs-Marathon können in Brüssel schon mal vorkommen. "Ich habe eine Art Kamelkapazität, mit Schlaf umzugehen", sagte die Kanzlerin mal. "Das ist eine Fähigkeit, die für dieses Amt nicht ganz unwichtig ist." Sie könne über fünf, sechs Tage mit wirklich sehr wenig Schlaf auskommen. Das zehrt. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie seit 14 Jahren im Amt ist und davor auch schon Spitzenpositionen in der Politik innehatte.

Die letzten Monate waren besonders hart

Die vergangenen Monate waren besonders hart. Zum üblichen Pensum kamen Streitereien in ihrer eigenen Partei und in der Großen Koalition. Im April starb ihre Mutter, zu der Merkel ein sehr inniges Verhältnis hatte.

Die Bundeskanzlerin gilt nicht nur sehr ausdauernd, sie gilt auch als extrem diszipliniert. Umso unangenehmer dürfte es ihr sein, dass sie momentan vor allem wegen ihrer Gesundheit im Fokus steht – und weniger ihre Politik. Nächste Woche hat sie Geburtstag und dann winkt auch für sie ein bisschen Urlaub.