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Angela Merkel im Kanzleramt: Nicht mehr lange?

Annegret Kramp-Karrenbauers Höhenflug könnte ihr gefährlich werden

Angela Merkel im Kanzleramt: Nicht mehr lange?

Annegret Kramp-Karrenbauer waves next to German Chancellor Angela Merkel after being elected as the party leader during the Christian Democratic Union (CDU) party congress in Hamburg, Germany, December 7, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach     TPX IMAGES
Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel beim CDU-Parteitag in Hamburg
MAT/PKP, REUTERS, KAI PFAFFENBACH

Eine Einschätzung von Holger Schmidt-Denker, CDU-Experte bei RTL/n-tv

Seit dem 7. Dezember letzten Jahres ist sie nicht mehr CDU-Parteichefin und seit dem historischen Parteitag in Hamburg fragt sich jeder, wie lange bleibt Angela Merkel noch Kanzlerin? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Merkel selbst hat immer beteuert, sie habe vor, bis zur nächsten Bundestagswahl durchzuhalten. Doch kann und will ihre Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende, Annegret Kramp-Karrenbauer, so lange warten?

Im Video: Annegret Kramp-Karrenbauers stärkste Aussagen vom Politischen Aschermittwoch

Das kommt an bei der Basis

AKK hat sich inzwischen eindeutig freigestrampelt aus Merkels Schatten, trotz des knappen Siegs auf dem Parteitag gegen Friedrich Merz. Ihre Methode: Gleich nach der Wahl ist sie auf das Merz-Lager zugegangen und hat versucht die Zweifler zu überzeugen, und das ist ihr gelungen. Nicht zuletzt beim Politischen Aschermittwoch gestern in Demmin, wo sie sich keinesfalls für den umstrittenen Toilettengag der letzten Woche entschuldigt, sondern von künstlicher Aufregung und Verkrampfung spricht. Das kommt an bei der Basis, die nach den zuletzt als bleiern empfundenen Merkel-Jahren nach konservativem Aufbruch lechzt.

Zeit für den Wachwechsel im Kanzleramt?

CDU Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (R) spricht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (L) vor der Fraktionssitzung im Bundestag in Berlin am 19. Februar 2019. CDU/CSU Bundestagsfraktion Sitzung *** CDU Chairwoman Annegret Kramp Karrenbauer R talks
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer vor einer Kabinettssitzung
imago stock&people, imago/Emmanuele Contini, Emmanuele Contini

Viel hängt vom Zustand der GroKo ab, hält sie wirklich noch bis Herbst 2021, dem regulären Wahltermin? Hier ist zuallererst die SPD gefragt. Gibt es bei der Europawahl und bei den Wahlen in Bremen, Brandenburg, Sachsen und Thüringen weitere Debakel für Nahles und Co., dann könnte die Leidensfähigkeit der Genossen endgültig erschöpft sein. Der Koalitionsbruch wäre konsequent.

Aber kommen dann wirklich Neuwahlen? Oder würden Union, FDP und Grüne einen neuen Anlauf für ein Jamaika-Bündnis starten? Dann könnte die CDU die Chance nutzen und die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Bundestag ohne Neuwahlen zur Kanzlerin wählen lassen. FDP-Chef Christian Lindner hat jedenfalls immer gesagt, Merkel werde er nicht mehr zur Kanzlerin wählen, bei AKK sieht es schon anders aus. Und auch die Grünen äußern sich mit Sympathie über die Neue.

Will man da wirklich kurzfristig die Pferde wechseln?

merkel trump g7
Bundeskanzlerin Angela Merkel genießt international hohes Ansehen, wie hier beim G7-Treffen in Kanada

Also ist es nur noch eine Frage von wenigen Monaten, bis AKK im Kanzleramt einzieht? Abwarten, denn ein Aspekt darf bei allen Gedankenspielen nicht vergessen werden: die große außenpolitische Erfahrung Merkels. In einer Zeit, in der sich die EU durch den Brexit und autoritäre Regierungen in Osteuropa vor einer massiven Bewährungsprobe sieht. In der ein Präsident Trump unberechenbare Politik per Twitter betreibt, Russland sich immer konfrontativer verhält und China zusehends an Dominanz gewinnt, ist es vielen – auch in der Union – doch so lieber: Dass im Kanzleramt jemand sitzt, der weltweit hohes Ansehen genießt.

Und der sich auch schon mehrfach als krisenfest erwiesen hat. Will man da wirklich kurzfristig die Pferde wechseln? Der Machtwechsel an der Regierungsspitze könnte als doch noch etwas auf sich warten lassen.