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Angela Merkel beim Klimagipfel in Bonn: Umweltverbände hoffen auf Kohleausstieg

Verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Weltklimakonferenz den Kohleausstieg?

Jetzt wird es politisch beim Weltklimagipfel in Bonn: Angela Merkel besucht die Klimakonferenz. Die Kanzlerin kommt direkt von den Sondierungesprächen für die Jamaika-Koalition aus Berlin in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn. Umweltverbände erhoffen sich von der Kanzlerin nicht weniger als die Ankündigung des deutschen Kohleausstiegs.

Wie will Deutschland die Klimaziele erreichen?

"Die Konferenz erwartet heute ein starkes Zeichen der Kanzlerin, dass Deutschland seine Zusagen im Klimaschutz einhält", sagte Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss. "Angela Merkel kann nicht länger nur über Klimaschutz reden, sie muss etwas dafür tun - das geht nur mit einem Kohleausstieg." Zusammen mit dem BUND, der Deutschen Umwelthilfe, dem Naturschutzbund Deutschland, dem WWF und Germanwatch warnte Greenpeace vor einem "klimapolitischen Totalausfall der Jamaika-Sondierer". Die Umweltschützer sehen eine Kluft "zwischen Sonntagsreden und klimapolitischer Realität bei den Sondierungen sowie in der Regierungspolitik".

Auch das UN-Klimasekretariat pocht auf konkrete Pläne für den Klimaschutz von Angela Merkel. Der Sprecher des UN-Klimasekretariats, Nick Nuttall erklärte: "Viele Teilnehmer hier fragen sich, hat Deutschland einen Plan für die Kohle und wird es einen Plan geben, damit Deutschland seine Klimaziele noch erreichen kann?"

Greenpeace-Studie: Deutschland kann das Klimaziel erreichen - überflüssige Kohlekraftwerke abschalten

"Deutschland kann sein gefährdetes Klimaziel für das Jahr 2020 erreichen, indem die kommende Bundesregierung überflüssige Kohlekraftwerke abschaltet." Das ist das Ergebnis einer Kurzanalyse des Beratungsinstituts 'Energy Brainpool' im Auftrag von Greenpeace, die pünktlich zur Klimakonferenz-Rede der Bundeskanzlerin veröffentlich wurde. Um das Klimaziel für 2020 noch zu erreichen, muss Deutschland laut einer Analyse des Bundesumweltministeriums 94 bis 104 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) zusätzlich einsparen. Greenpeace betont, eine so große Einsparung sei nur durch die Abschaltung von Kohlekraftwerken zu stemmen.

In den Sondierungsverhandlungen über eine Jamaika-Koalition sind CO2-Einsparungen und der Umfang dafür nötiger Kraftwerk-Abschaltungen ein großer Streitpunkt: Die Union und die FDP sprechen in den Verhandlungen von 32 bis 66 Millionen Tonnen CO2, die einzusparen seien. Sie bleiben damit im klaren Widerspruch zur Analyse des Bundesumweltministeriums. Die Grünen planen unter Verweis auf ebendiese Zahlen mit 90 bis 120 Millionen Tonnen CO2-Einsparung. Vor dem Hintergrund dieser großen Diskrepanz ist eher kein Vorstoß für einen Kohlekraftwerk-Ausstieg der Kanzlerin in ihrer Bonner Rede zu erwarten.

Deutschland liegt im Klimaschutzindex nur im Mittelfeld

Die Organisation Greenwatch präsentierte auf dem Klimagipfel in Bonn die 13. Ausgabe ihres Weltklimaindex. Deutschland liegt als "weltgrößter Braunkohlnutzer" in dem Klimaschutzindex nur auf Platz 22 von 56, noch hinter dem smoggeplagten Indien. "Deutschland ist nicht nur der größte Braunkohleförderer und -nutzer, sondern hat zudem einen relativ hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen, weit höher als der EU-Schnitt", sagte der Haupt-Autor der Germanwatch-Studie, Jan Burck. Etwa die Hälfte der Emissionen komme vom Strom. "Deswegen ist der Kohleausstieg so wichtig." Rund 20 Prozent stamme aus dem Verkehr. In unserem Video erklärt Jan Burck im Interview, weshalb Deutschland im Klimaschutzindex im Vergleich zu früheren Jahren zurückfällt.

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