Angeklagter überwachte Ex-Freundin heimlich mit Spionage-App

In Heilbronn steht ein 20-Jähriger vor Gericht, weil er seine Ex-Freundin mithilfe einer Spionage-App überwacht hat.
In Heilbronn steht ein 20-Jähriger vor Gericht, weil er seine Ex-Freundin mithilfe einer Spionage-App überwacht hat.
© dpa, Nikolai Huland

09. Dezember 2015 - 16:48 Uhr

Die junge Frau hat nichts gemerkt

Den Ex-Partner mit einer Spionage-App auf Schritt und Tritt überwachen – was für so manchen eifersüchtigen Nutzer vielleicht verlockend klingt, hatte für einen Mann aus Heilbronn nun ein juristisches Nachspiel. Der 20-Jährige hatte die Spionage-Software 2013 heimlich auf dem Handy seiner Freundin installiert und sie so überwacht, auch nachdem die Beziehung in die Brüche ging. Mithilfe der App konnte er zu jeder Zeit den Standort der jungen Frau feststellen, sowie auf Bilder und Nachrichten zugreifen. Mindestens drei Monate lang wusste er immer, wo sie war, wem sie WhatsApp-Nachrichten schrieb und welche Fotos sie auf dem Handy hatte. Darum ist er nun wegen des Abfangens von Daten vom Amtsgericht Heilbronn zu 30 Arbeitsstunden verurteilt worden.

Dabei bemerkte die Ex-Freundin nicht einmal, dass sie ausspioniert wurde. Die Sache flog erst durch einen Zufall auf. Fotos der jungen Frau tauchten bei Ermittlungen in einem anderen Fall in Bayern auf. Die Beamten verfolgten diese Bilder zurück und stießen dabei auf den 20-Jährigen. Er hatte die Spionage-App in einem kurzen, unbeobachteten Moment auf dem Handy der jungen Frau installiert, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Angeklagte gestand die Tat schon vor Verhandlungsbeginn, so der zuständige Richter. Die Strafe viel so gering aus, weil der junge Mann geständig war und die Tat schon so lange zurückliegt. Außerdem habe ihm die Ex-Freundin die Tat nicht sonderlich krummgenommen. Als Motiv gab der Angeklagte laut Gericht an, dass die Beziehung problematisch gewesen sei, seine Freundin war sehr eifersüchtig. Dieses Verhalten habe auf ihn abgefärbt. Seine Tat sei "schon ziemlich krank", gab der Angeklagte zu.

Für Uneingeweihte soll sie wie eine harmlose Diebstahl-App ausgesehen haben, mithilfe der man sein Handy orten kann, wenn es verloren gegangen ist. Sie wird außerdem laut Anbieter nicht wie gewöhnliche Apps mit einem typischen quadratischen Symbol angezeigt, sondern ist als 'Device-Management' gekennzeichnet. So entsteht der Eindruck, dass es sich um eine wichtige Installation handelt.

Häufig werden Überwachungsapps auch als Spiele getarnt oder es werden Namen von Browsern oder Facebook genutzt, um die eigentliche Funktion der Software zu verschleiern. IT-Sicherheitsexperte Ronald Eikenberg, von der Computerzeitschrift 'c't', kennt diese Masche. "Man kann ein Programm in einem anderen verstecken", sagt Eikenberg. Bei der Aufforderung eines Bekannten, das Spiel zu installieren, würden sich viele erstmal nichts denken. "Das andere Programm läuft im Hintergrund. Von dessen Existenz bekommt man nichts mit."

Wird mein Handy überwacht?

Doch wie kann feststellen, dass das eigene Gerät schon überwacht wird? Eikenberg empfiehlt denjenigen, die befürchten, Spionagesoftware auf dem Handy zu haben, das Gerät mit einem Antivirusprogramm zu scannen. Dabei würden betreffende Apps in der Regel entdeckt, sagt der Experte. Die Anbieter von Spionage-Software versuchen, sich häufig über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) selbst juristischen abzusichern. Darin steht zum Beispiel, dass Nutzer der App zustimme, die Software nur auf eigene Geräte oder mit expliziter Erlaubnis des Gerätebesitzers zu installieren. Trotzdem können sich auch die App-Betreiber strafbar machen. Die AGB seien kein Hintertürchen, sagt der Sprecher des Justizministeriums Baden-Württemberg, Steffen Ganninger. Durch das Kleingedruckte könne man eine Strafbarkeit nicht ausschließen.

Der Fall in Heilbronn scheint kein Einzelfall zu sein. Obwohl man sich mit der Nutzung einer solchen Spionage-Apps in einer rechtlichen Grauzone bewegt, gibt es zahlreiche Anbieter von ganz ähnlicher Software. Wer so ein Programm ohne Zustimmung des Handybesitzers installiert, macht sich strafbar. Das scheint die Anbieter jedoch nicht zu interessieren. Sie werben gezielt damit, dass misstrauische Partner ihre Liebsten heimlich damit überwachen können: "Haben Sie sich schon mal Sorgen gemacht, dass Ihr Partner Sie betrügt?" Wer so ein Angebot nutzt, begibt sich rechtlich auf dünnes Eis.

Auch moralisch sind solche Apps mehr als zweifelhaft. "Das ist die nächste Eskalationsstufe des Nachstellens neben Stalking", sagte die Landesbüroleiterin der Opferorganisation Weißer Ring, Claudia Beck. Ihr Urteil fällt klar aus: Fotos beträfen die Intimsphäre einer Person. Wenn diese unerwünscht abgefangen würden, verstärke das bei den Opfern das Gefühl "ausgeliefert zu sein", so Beck. Auch Simone Janssen, Präsidentin des Gesamtverbandes der Ehe- und Partnervermittlung, meint: "Das ist ein Mega-Vertrauensbruch, das geht natürlich gar nicht." Wenn so wenig Vertrauen da sei, dass man den Partner überwache, sei das keine Basis für eine Beziehung, so die Expertin.