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Angeklagter bei Vergewaltigungsprozess freigesprochen: Gericht wertete Spitzenhöschen als Zeichen von Einverständnis

Freispruch bei Vergewaltigungsprozess wegen Unterwäsche
In Irland wurde ein mutmaßlicher Vergewaltiger freigesprochen, weil das Opfer ein Spitzenhöschen an hatte - die Richter werten das als Zeichen, dass der Sex einvernehmlich war. (Foto: Motivbild) © Getty Images/iStockphoto, MagMos

Unterwäsche als angebliches Zeichen für Einverständnis

Provoziert eine Frau eine Vergewaltigung, wenn sie schöne Unterwäsche trägt? Was klingt wie ein schlechter Scherz, sorgte in einem Prozess in Irland für einen Skandal: Die Verteidigerin des Angeklagten führte das Aussehen des Slips eines jungen Mädchens als Argument an, dass der Sex einvernehmlich war. Nun solidarisieren sich Hunderte Frauen online mit der Betroffenen und posten Fotos ihrer Unterhosen, verbunden mit der Frage: Wie sexy darf sie sein, bis ich Angst haben muss?

Der Angeklagte wurde freigesprochen

Wie die britische Zeitung Independent berichtet, fragte die Anwältin bei der Verhandlung in der Stadt Cork in ihrem Abschlussplädoyer die Jury: "Schließen die Beweismittel aus, dass sie sich zum Angeklagten hingezogen fühlte und offen dafür war, jemanden kennenzulernen und mit ihm intim zu sein? Sie müssen darauf achten, wie sie gekleidet war. Sie trug einen String mit Spitze."

Dem 27-Jährigen wurde vorgeworfen, das 17-jährige Mädchen auf der Straße vergewaltigt zu haben – doch er wurde freigesprochen. Und das, obwohl ein Zeuge schilderte, dass der Mann die Jugendliche gewürgt und bedrängt hatte. Nach dem Urteil und der Aussage der Verteidigerin entbrannte weltweit Empörung. Unter dem Hashtag #thisisnotconsent ("Das ist keine Einwilligung"), sowie #ibelieveher ("Ich glaube ihr") begannen hunderte Frauen, ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken Luft zu machen.

"Wo hört das auf?"

Sie posten Bilder ihrer Unterwäsche, dazu sarkastische Kommentare wie diesen: "Können wir eine Liste haben, welche Unterhosen wir tragen können, wenn wir nicht vergewaltigt werden wollen?" Eine Irin klagt: "Ich habe mich noch nie so unsicher in meinem Land gefühlt. Wo hört das auf? Müssen wir als Nächstes beweisen, dass unsere Handtaschen nicht als Provokation gemeint waren?"

Eine weitere Userin stellt klar: "Nur weil mein Höschen süß ist, heißt das nicht, dass ich ja sage". Und eine deutsche Lehrerin schreibt: "Echt jetzt? 2018? Muss ich wirklich morgen in die Schule gehen und meinen Schülerinnen sagen, dass sie bei der Wahl ihrer Unterwäsche aufpassen müssen? Das ist so traurig."

Mädchen war noch Jungfrau

Noeline Blackwell, Vorsitzende des "Dublin Rape Crisis Centre" für Vergewaltigungsopfer, schilderte der Independent: "Dass die Verteidigerin die Unterwäsche des Mädchens als Argument anbrachte, hat uns absolut nicht überrascht. Wir begleiten Menschen zu Gerichtsverhandlungen, und ständig erleben wir, dass diese Vergewaltigungs-Klischees benutzt werden, um die Kläger zu schwächen und die Angeklagten zu stärken." Das Mädchen aus Irland hatte während des Prozesses angegeben, dass sie vor der mutmaßlichen Vergewaltigung noch Jungfrau war.

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