Angebliche Putin-Drohung an Barroso: "Wenn ich wollte, könnte ich in zwei Wochen Kiew einnehmen"

30. Oktober 2014 - 9:57 Uhr

Kreml-Chef warnt vor weiteren Sanktionen gegen Russland

Der Ukraine-Konflikt spitzt sich weiter zu. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Russland vorwirft, gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen, soll Kreml-Chef Wladimir Putin EU-Kommissionschef Jose Barroso in einem Telefonat gedroht haben, er könne die ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen.

Ukraine-Konflikt: Russlands Präsident Wladimir Putin droht EU-Kommissionschef Jose Barroso.
Russlands Wladimir Putin droht der Europäischen Union bei weiteren Sanktionen gegen Russland.
© dpa, Krem

Barroso habe Putin wegen des direkten militärischen Eingreifens in der Ostukraine zur Rede stellen wollen. Russlands Präsident drohte daraufhin: "Wenn ich wollte, könnte ich in zwei Wochen Kiew einnehmen", berichtet die italienische Zeitung "La Repubblica'. Laut dem Bericht habe Putin klar machen wollen, dass die Europäische Union Russland nicht mit weiteren Strafen provozieren solle.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich bei ihrem Sondergipfel am Samstag in Brüssel darauf geeinigt, innerhalb einer Woche neue Sanktionen auf den Weg zu bringen, wenn Russland nicht zur Deeskalation der Lage in der Ostukraine beiträgt.

Separatisten fordern Sonderstatus für Ostukraine

Merkel wirft Russland unterdessen vor, im Ukraine-Konflikt gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen. Inzwischen sei klar, dass es sich um einen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine handele und nicht um eine innerukrainische Auseinandersetzung, sagte Merkel in ihrer Regierungserklärung im Bundestag.

Merkel beschuldigte Russland außerdem, die Grundfesten der europäischen Nachkriegsordnung zu verletzen. Dieser Bruch des Völkerrechts könne nicht folgenlos bleiben, daher prüfe die EU weitere Sanktionen gegen Russland. "Was es bedeuten kann, wenn man in Europa ohne Folgen Grenzen verschieben kann und andere Länder sozusagen mit seinen Truppen angreifen kann, das ist aus meiner Sicht nochmal eine viel größere Gefahr als wenn jetzt zeitweise bestimmte Nachteile für die Wirtschaft zu akzeptieren sind", betonte die CDU-Politikerin. Auch Bundespräsident Joachim Gauck kündigte eine entschlossene Reaktion des Westens auf die "russische Aggression" gegen die Ukraine an.

Die ukrainische Armee zog sich unterdessen nach eigenen Angaben von einem umkämpften Flughafen bei Lugansk zurück. Dort hätten sich ukrainische Fallschirmjäger heftige Kämpfe mit einem Panzerbataillon der russischen Streitkräfte geliefert. Ermutigt durch die militärischen Erfolge pochten die Separatisten bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe auf einen Sonderstatus für die Ostukraine. Bei dem vierstündigen Gespräch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk tauschten die Konfliktparteien Positionspapiere aus. Diese sollten geprüft werden, und die Gespräche könnten an diesem Freitag fortgesetzt werden, sagte Separatistenführer Andrej Purgin russischen Agenturen zufolge.

Die Aufständischen wollten bisher einen unabhängigen Staat 'Noworossija' (Neurussland). Sie stellten in einem vor dem Treffen bekannt gewordenen Positionspapier mit neun Punkten Bedingungen an Kiew: Sie fordern unter anderem ein Ende des ukrainischen Militäreinsatzes, einen Waffenstillstand und die Freilassung aller Gefangenen.