Kommentar zum Fall Kramaric

Der Fußball muss den Wettbewerb schützen

Andrej Kramaric im Training der kroatischen Nationalmannschaft.
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17. Oktober 2020 - 18:32 Uhr

Corona-Politik muss überdacht werden

Andrej Kramaric gegen Erling Haaland – das Duell der beiden Bundesliga-Topstürmer fällt aller Voraussicht nach flach. Kramaric soll sich – sehr wahrscheinlich bei einer Länderspielreise – mit dem Coronavirus infiziert haben. Der Fall macht einmal mehr deutlich, dass in Sachen sportlicher Corona-Politik einiges nicht zusammenpasst.

Update: Wie erwartet stand Kramaric gegen Dortmund nicht im Hoffenheimer Kader. Der Verein hat auch bestätigt, dass der Stürmer sich mit dem Virus infiziert hat.

Nationale Vorsicht, internationale Willkür

6000 Menschen dürfen am Samstag in die Rhein-Neckar-Arena zum Spiel der Hoffenheimer gegen Borussia Dortmund (ab 15.30 Uhr im Live-Ticker bei RTL.de). Es ist eine winzige Zahl verglichen mit den 30.000, die sonst ins Stadion passen. Im Kraichgau haben die Fußballfans es damit dennoch vergleichsweise gut. Das Abendspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg dürfen gerade einmal 300 Zuschauer live im Stadion sehen, weil die Corona-Inzidenz-Werte am Rhein zu hoch sind. 300 Menschen. In einer Arena, in die mehr als 54.000 passen.

Kurzum: Die nationalen Behörden verfolgen die Entwicklung mit großer Vorsicht, die Deutsche Fußball-Liga sowieso. Der Spielbetrieb muss laufen, nur dann fließt Geld, nur dann funktioniert das System. Also ist Vorsicht das Gebot der Stunde.

Geradezu absurd ist, dass zahlreiche Nationalspieler mit ihren Mannschaften in der Länderspielpause im Rahmen der Nations League von Risikogebiet zu Risikogebiet unterwegs waren.

Kramaric ist nicht der einzige Spieler, der sich bei so einen Trip Covid-19 eingefangen hat. Der Dortmunder Manuel Akanji (Schweizer) hat sich genauso mit dem Virus infiziert wie der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Das Problem der Vereine: Sie müssen ihre Spieler an die Verbände abstellen.

Vereine und Wettbewerb leiden

Unter den Ausfällen leiden die Clubs, das zeigt das Beispiel Hoffenheim. Kramaric ist mit sechs Toren aus drei Spielen der aktuell treffsicherste Stürmer der Liga. Spieler dieser Güteklasse zu ersetzen, ist gerade für kleinere Vereine unmöglich, deren Kader in der Spitze stark sind, in der Breite aber nachlassen. Das Argument, dass es mal den einen, mal den anderen mehr trifft, ist keins. Der Fußball muss aufpassen, dass der Wettbewerb nicht zu einem Witz verkommt.

Von Sebastian Fuhrmann