Andreas Scheuer plant Netzausbau bis 2021: Ist das Ende der Funklöcher?

12. Juli 2018 - 20:37 Uhr

Sogar in Albanien gibt es besseres Netz

Wer auf dem Land wohnt oder viel mit der Bahn unterwegs ist, kennt das Problem: Kaum hat man die Stadt hinter sich gelassen, wird nicht nur die Bevölkerung weniger, sondern auch der Handyempfang. Sowohl was die Verfügbarkeit, als auch die Geschwindigkeit des Mobilfunknetzes angeht, landet Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich weit hinten. Sogar in Albanien gibt es besseres Netz. Bundesinfrastrukturminister Andreas Scheuer will jetzt etwas gegen die vielen Funklöcher hierzulande tun. Bis überall Netz ist, kann es aber noch dauern.

Bis Ende 2021 sollen nur noch ein Prozent der Deutschen im Funkloch leben

Bis Ende 2021 sollen 99 Prozent der Haushalte in Deutschland versorgt sein. Auf diesen Richtwert hat der Minister sich zusammen mit den Mobilfunkanbietern geeinigt. Laut dem Minister sollen so in den nächsten Jahren rund eine halbe Million Haushalte zusätzlich ans Netz angeschlossen werden.

Was erst einmal gut klingt, ist aber nur eine Absichtserklärung, wie alle Beteiligten betonen. Ob die Pläne bis 2021 so umgesetzt werden können, ist noch unklar. Bis jetzt gilt für die Netzbetreiber die Verpflichtung, bis Januar 2020 deutschlandweit 98 Prozent der Haushalte mit mobilem Breitband zu versorgen.

Die Bewohner von Görne (Brandenburg) wissen, wie es ist, mitten im Funkloch zu leben. Mit welchen Problemen die Dorfbewohner im Alltag konfrontiert sind, erfahren Sie im Video. Sie mussten jahrelang kämpfen, bis sie endlich erhört wurden. Scheuer hat in dem brandenburgischen Dorf nun persönlich einen neuen Funkmast eingeweiht – ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der neue Mast nützt auch nur den Telekom-Kunden etwas und im wenige Kilometer entfernten Umland ist es mit dem Surfen auch wieder vorbei. Es gibt also noch eine Menge zu tun.

Auf die Netzgeschwindigkeit kommt es auch an

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Ende 2017 je nach Region zwischen 93,3 und 100 Prozent der Haushalte mit Mobilfunk versorgt waren. "Diese Prozentzahlen beziehen sich nur auf die Haushalte und nicht auf die Fläche", erklärte Telekommunikations-Wissenschaftlers Torsten Gerpott. Ein weiteres Problem ist die Download-Geschwindigkeit, denn die ist auch nicht überall gleich. "Auf dem Mobilfunk-Gipfel wurde beschlossen, dass aus einer 98 Prozent eine 99 Prozent Abdeckung wird", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. "Das ist doch Humbug und geht an der erlebten Realität komplett vorbei."

Kritiker fordern, dass die Regierung die Netzbetreiber dazu verpflichtet, das Netz Bundesweit mit der 5G-Frequenz auszustatten. Bis Ende Oktober 2018 soll es außerdem eine Funkloch-Melde-App geben. So soll die Politik einen Überblick bekommen, wo noch etwas getan werden muss. Bleibt nur die Frage, wie die Handynutzer in den betroffenen Gebieten die App überhaupt herunterladen sollen – ganz ohne Netz.