Selbstmordgefährdete Flüchtlinge werden abgeholt

An Bord der Alan Kurdi: 14-Jähriger versucht, sich anzuzünden

06. September 2019 - 19:11 Uhr

Flüchtlinge an Bord sind verzweifelt

"Was ist mit uns? Wann werden wir abgeholt?" Immer wieder stellen die Tunesier an Bord der Alan Kurdi diese Fragen. Die Crew des deutschen Rettungsschiffs hat die 13 Teenager und jungen Männer aus dem Mittelmeer gerettet. Jetzt weiß niemand, wie es weitergehen soll.

Mehrere selbstmordgefährdete Flüchtlinge werden abgeholt

Bis jetzt hat sich kein Land bereit erklärt, die Geretteten aufzunehmen. Haytham und Yasser wurden bereits am 5. September von einem maltesischen Patrouillenboot abgeholt. Beide waren schwer selbstmordgefährdet und die Crew konnte nicht mehr für die Sicherheit der beiden garantieren.

Nachdem die beiden weg waren, spitzte sich die Situation an Bord zu. Auch der 14 Jahre alte Montesar konnte die ausweglose Lage offenbar nicht mehr ertragen und versuchte, sich mithilfe von Deo, einem Feuerzeug und einer Decke anzuzünden. Die Crew konnte gerade noch rechtzeitig eingreifen.

Als Einsatzleiter Jan Ribbeck ihn zur Rede stellte, unternahm der Jugendliche den nächsten Selbstmordversuch: Er stieg auf die Reling des Schiffs, um sich ins Meer zu stürzen, obwohl er gar nicht schwimmen kann. Es waren fünf Männer nötig, um den 14-Jährigen von der Reling herunter zu holen.

Auch für die Reporterin ist die Situation schwer zu ertragen

"Zu sehen wie der 14-jährige Montesar den Lebensmut verliert und seinen eigenen Tod sucht, ist für die Crew und auch für mich nur schwer zu ertragen", berichtet RTL-Reporterin Carolin Unger, die die Rettungsmission im Mittelmeer begleitet. "Egal welcher Herkunft, kein 14-Jähriger sollte sich in so einer verzweifelten Situation sehen", meint sie.

Die maltesischen Behörden wurden auch über diesen Zwischenfall informiert und die Erleichterung an Bord der Alan Kurdi war groß, als am Nachmittag überraschend das maltesische Militär zur Alan Kurdi fuhr, um den 14-Jährigen abzuholen und an Land zu bringen. Es durften auch noch zwei weitere Flüchtlinge mitfahren, die vom Schiffsarzt als medizinische Notfälle eingestuft wurden. Damit sind jetzt noch acht Flüchtlinge an Bord der Alan Kurdi. Sie müssen weiter auf dem Schiff ausharren und warten.